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Der chilenische Film „No!“ im Kino

No!

Fast quadratische Filmbilder erwecken auf der Kinoleinwand den Anklang an eine vergangene Ära: „No!“ spielt im Chile des Jahres 1988. 15 Jahre, nachdem das Militär unter Führung von General Augusto Pinochet gegen den gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende geputscht und eine Terrorherrschaft errichtet hatte, stellte sich Pinochet im Bewusstsein eines wirtschaftlichen Aufschwungs einem Referendum, das seine kommende Amtszeit bestätigen sollte. Frühere Referenden hatten überwiegend Ja-Stimmen aufgewiesen, doch diesmal änderte sich der Lauf der Geschichte: Am Ende hatten 56 Prozent mit „No!“ gestimmt, der Anfang vom Ende der Diktatur.
Das Besondere daran war die „No!“-Kampagne. Gael Garcнa Bernal verkörpert einen Werbe­profi, der bei der linken Opposition zunächst auf Unverständnis stößt mit seinem Konzept, nicht die Repressionen des Regimes in den Mittelpunkt der 15 Minuten zu stellen, die für Wahlwerbung im Spätprogramm des Fernsehens eingeräumt wurden, sondern mit positiven Werten zu werben. Das mutet in der Tat erst einmal merkwürdig an, aber Regisseur Pablo Larraнn weiß, wovon er spricht. 1976 geboren, hat er nach seinem Filmstudium Werbefilme gedreht, bevor er 2005 sein Regiedebüt gab. Als Produzent war er zudem am diesjährigen chilenischen Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Gloria“ beteiligt.
„Werbung will alles idealisieren, die schönsten Bilder mithilfe der allerneuesten Technologie erschaffen“, bekräftigt er im Gespräch. Und auch Gael Garcнa Bernal hat seine eigenen Erfahrungen mit dem Metier. „Mein Stiefvater hat ebenfalls viele Werbespots inszeniert. Die waren zu der Zeit aufwendig und kosteten mehrere Hunderttausend Dollar, manchmal drehten sie drei Wochen daran. Über Einstellungen, die wenige Sekunden dauerten, konnten sie stundenlang reden. Sie liebten die Produkte wirklich, die sie verkaufen sollten, das war manchmal geradezu surreal.“
Surreal wirkt auch „No!“ gelegentlich, denn die geschönte Welt der Werbung wird hier gebrochen durch Momentaufnahmen aus dem Chile des Jahres 1988, wo Bürger überwacht, eingeschüchtert und auch schon mal zusammen­geschlagen werden. Dass diese Bilder so dokumentarisch wirken, liegt auch daran, dass der Film journalistische Aufnahmen aus dieser Zeit verwendet und selber auf U-matic-Material gedreht wurde – ein Spiel mit der Illusion.
Abzuwarten bleibt, ob Larraнn weiterhin zum Aufschwung des chilenischen Kinos beiträgt oder vielleicht ganz nach Hollywood übersiedelt, immerhin war sein Film für den Auslands-Oscar nominiert und er selbst hat für HBO schon an der TV-Serie „Prуfugos“ als Produzent und Regisseur mitgearbeitet.

Text: Frank Arnold

Foto: Piffl Medien

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „No!“ im Kino in Berlin

No!, Chile/Mexiko 2012; Regie: Pablo Larraнn; Darsteller: Gael Garcнa Bernal (Renй Saavedra), Alfredo Castro (Lucho Guzmбn), Antonia Zegers (Verуnica); 118 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: 7. März

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