Kino & Stream

„Der Dieb des Lichts“ im Kino

Der Dieb des Lichts

Ganz ohne Aberglauben mag man dem technischen Fortschritt in Kirgisien offenbar auch heute noch nicht begegnen. Svet-Ake ist zwar der glückliche Vater von vier Töchtern, aber er wünscht sich nichts sehnlicher als einen Sohn. Sein Freund Mansur rät ihm, sich die magische Kraft der Elektrizität zunutze zu machen: Ein Stromschlag beseitige weibliche Hormone. Kurzentschlossen erklimmt der nicht mehr ganz nüchterne Svet-Ake also einen Mast und fasst mutig an die Stromleitung. Der Schlag schleudert ihn in hohem Bogen auf die Erde zurück. Rasch eilen die Dorfbewohner zu Hilfe, um den Bewusstlosen in ein Erdloch einzugraben und ihm so das Leben zu retten.
„Der Dieb des Lichts“ ist ein Film, der seine luftigen Träume zu erden weiß. Auf ruhige, entschleunigte Weise eröffnet er dem Adjektiv „elektrisierend“ ganz neue Bedeutungshorizonte. Der Strom ist Svet-Akes Lebenselement. Seit das staatliche Kraftwerk von privaten Konzernen übernommen wurde, können die Dorfbewohner die Strompreise nicht mehr bezahlen. So ist der Elektriker zu einem wohltätigen Verbrecher geworden, der die Zählerkästen seiner Nachbarn manipuliert.
Aber er schmiedet noch größere Pläne: Er will den Wind, der unbarmherzig über das Dorf weht, mit einem ganzen Park von Windrädern zähmen. Aber auch ein alerter Geschäftsmann will die entlegene Region, in der Pferd, Fahrrad und Auto noch gleichberechtigte Fortbewegungsmittel sind, in eine (vor allem für ihn selbst) profitable Zukunft führen. Aktan Arym Kubat (bekannt geworden mit „Beschkempir“), der auch die Titelrolle spielt, verdichtet scheinbar lose miteinander verknüpfte Alltagsepisoden zu einem Schelmenroman von dezent folkloristischem Furor und bisweilen grimmiger Konsequenz. Kurios, dass nach „Ein Mann der schreit“ die ökonomische Globalisierung auch hier ein neues Gesicht im Kino bekommt: In beiden Filmen sind es chinesische Investoren, die auf den Plan treten.

Text: Gerhard Midding

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Der Dieb des Lichts“ im Kino in Berlin

Der Dieb des Lichts (Svet-Ake), Kirgisien/Deutschland/Niederlande/Frankreich 2010; Regie: Aktan Arym Kubat; Darsteller: Aktan Abdykalykow (als Aktan Arym Kubat: Svet-Ake), Taalai Abazowa (Bermet), Askat Sulaimanov (Bekzat); 80 Minuten; FSK 12

Kinostart: 14. April

Mehr über Cookies erfahren