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Der Europäische Filmpreis im Tempodrom

The Artist

Ein orchestrierter Stummfilm mit einem pomadigen, charisma­tischen Hauptdarsteller (Jean Dujardin) ist einer der Favoriten für den Europäischen Filmpreis, der am 3. Dezember im Berliner Tempodrom verliehen wird. Michael Hazanavicius‘ „The Artist“ (Szenenfoto) amüsierte schon in Cannes die Kritiker, und wird bestimmt auch in Berlin mit seinen vier Nominierungen nicht ganz leer ausgehen, zu amüsant spielt die schwarz-weiße Tragikomödie mit der sportlichen Herausforderung, im Stil eines Stummfilms vom Ende der Stummfilmära zu erzählen.
Wie glamourös die Veranstaltung wirklich sein wird, hängt davon ab, wie viele der Nominierten den Weg in den Berliner Winter auf sich nehmen werden. Auf dem Papier können sich jedenfalls (fast) alle sehen lassen, auch wenn beim Blick auf die Auswahl auch deutlich wird, wie sehr die Institution mit ihrer Auswahl in eine Mitte strebt, die die europäische Kinolandschaft längst nicht mehr hat. Kandidaten für den „Besten Europäischen Film“ sind neben Hazanavicius‘ „The Artist“ (Kinostart: 26. Januar) „Der Junge mit dem Fahrrad“ (Kinostart: 9. Februar) von Dardenne & Dardenne, Kaurismäkis „Le Havre“ und „The King’s Speech“ von Tom Hooper. Und natürlich das feindliche, dänische Doppel Susanne Bier („In a Better World“) und Lars von Trier, der mit „Melancholia“, in insgesamt acht Kategorien nominiert ist. Den notorischen Dänen könnte man auch als Besten Regisseur wiedersehen, was im Fall des Preisgewinns auch Gelegenheit bieten würde, zu überprüfen, ob sich von Trier an sein Schweigegebot hält, das er sich nach der letzten Polizeivernehmung wegen seines Cannes-Desasters selbst auferlegt hat. Die weiteren Nominierten sind auch hier: Kaurismäki, Bier, Jean-Pierre und Luc Dardenne – und Bйla Tarr (für „The Turin Horse“). Wahlberechtigt sind die 2?500 Mitglieder der European Film Academy, Anke Engelke soll als Moderatorin für Stimmung sorgen. Ob das klappt und der Preis tatsächlich das Ziel einer Selbstaufwertung des europäischen Kinos produktiv erreicht, kann man am Galaabend live unter www.europeanfilmawards.eu verfolgen.

Text: Robert Weixlbaumer

Europäischer Filmpreis, Sa 3.12., 20 Uhr, Tempodrom

www.europeanfilmawards.eu

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