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Der Fall Kurnaz: „Fünf Jahre Leben“ im Kino

Fünf Jahre Leben

Als „Bremer Taliban“ haben ihn uns die Medien ins Gedächtnis gebrannt: den Deutsch-Türken Murat Kurnaz. Fünf Jahre saß der damals 19-Jährige im US-Gefangenenlager Guantanamo, wurde physisch wie psychisch missbraucht. Sein Fehler: Er hatte nach den Anschlägen von 9/11 eine Koranschule in Pakis­tan besucht. Doch Murat Kurnaz ist nicht nur Opfer, sondern auch willensstark, wie Regisseur Stefan Schaller in seinem realitätsnahen Spielfilm „Fünf Jahre Leben“ zeigt. Er konzentriert sich auf die ersten Jahre der Haft und baut mit einfachen Mitteln den menschenrechtsfreien Raum auf Kuba nach. Ben Miles mimt den Verhörspezialisten Gail Holford, der alle Tricks zum Brechen eines Menschen beherrscht, Sascha Gersak versetzt sich in Kurnaz, der eine Möglichkeit des Widerstands erkennt: strikt bei der Wahrheit bleiben und Holford nichts geben, das einem Schuldeingeständnis gleichkäme und dessen menschenverachtende Methoden legitimieren könnte. Dank seiner inneren Stärke kann Kurnaz dem Horrorszenario 2006 entkommen. Rückblenden zeigen seine Vorgeschichte und unterbrechen das intensive Kammerspiel. So grausam viele Szenen auch sein mögen, noch perfider ist das System, das solche Bedingungen ermöglicht.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Fabian Maubach / Zorro Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Fünf Jahre Leben“ im Kino in Berlin

Fünf Jahre Leben, Deutschland 2012; Regie: Stefan Schaller; Darsteller: Sascha Gersak (Murat Kurnaz), Ben Miles (Gail Holford), Trystan Pütter (Collins); 96 Minuten; FSK 12

Kinostart: 23. Mai 

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