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„Der fantastische Mr. Fox“ im Kino

Der Mann ist makellos gekleidet, gerne in fuchsfarbenem Manchester-Cord, seine Sprache ist fein ziseliert – ein Gentleman, vielleicht nur ein wenig zu süchtig nach Aufmerksamkeit, und manchmal auch ein bisschen wild. Hemmungslos zerfetzt Mr. Fox morgens sein so manierlich angerichtetes Frühstück, und wenn sein Rechtsanwalt (ein Dachs) Widerworte gibt, fletscht der Dandy die Fangzähne, als wollte er ihm gleich die Halsschlagader zerfetzen.
Wes Anderson hat manischen Meeresforschern, melancholischen Indienreisenden oder überbegabten Collegeschülern Erzählungen gewidmet (in denen auch schon Nebendarsteller wie buntschillernde Seepferdchen und Riesenglitzerhaie ihren Auftritt hatten). Nun hat der Regisseur eine ganze Menagerie Bild für Bild mit mühevoller Stop-Motion-Animation zum Leben erweckt. Seine Füchse, Opossums, Dachse und Wiesel sind allerdings keine niedlichen Kinderfiguren, sondern Tiere mit, nun ja, menschlichen Bedürfnissen und Träumen.
Wildheit und Charakter stehen im Mittelpunkt von „Der fantastische Mr. Fox“. Die Geschichte über den nicht wirklich domestizierten Fuchsfamilienvater (Originalstimme: George Clooney), der mit einem Raubzug den mörderischen Zorn dreier Bauern heraufbeschwört, hat Roald Dahl 1970 herausgebracht, aber Andersons Spielfilm adaptiert das schmale Original sehr frei. Mit „Der fantastische Mr. Fox“ tritt man in eine bezaubernde Zitatenwelt ein, in die zahllose Details und miniaturisierte Objekte aus Dahls Leben ebenso Eingang fanden wie Motive aus Anderson-Filmen wie „The Royal Tenenbaums“ oder „The Life Aquatic With Steve Zissou“.
Es scheint, als hätten Anderson und sein Ko-Autor Noah Baumbach („The Squid And The Whale“) nur eine Gelegenheit gesucht, das Anderson-Universum in einer Modellwelt noch einmal zu konzentrieren. Fast alle Themen und Manierismen des amerikanischen Regisseurs sind hier zu finden: der Sohn, der vergeblich nach Anerkennung sucht, die mächtige Familienmutter, die musikalische Collage von Popsongs und Filmscores aus den letzten vierzig Jahren, die geschliffenen, pointierten Dialoge – und nicht zuletzt der übermächtige Vater, der mit gehöriger Selbstblindheit das Glück seiner Familie aufs Spiel setzt. Egal, wie bizarr die Kombination von Tier- und Menschenwelt ist, Anderson gelingt es, auch noch in dieser surrealen Umgebung reale Gefühle zu verhandeln, während etwa ein Opossum beiläufig mit seiner goldenen Kreditkarte Türschlösser knackt. Das Glück der Tiere liegt nicht in der Rückkehr zur Natur, sondern darin, die widersprüchliche Wahrheit über sich selbst zu akzeptieren. Nur konsequent, dass ihr Paradies am Ende aussieht wie ein übervoller Supermarkt.

Text: Robert Weixlbaumer

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Wes Anderson

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Der fantastische Mr. Fox“ im Kino in Berlin

Der fantastische Mr. Fox (Fantastic Mr. Fox), USA 2009; Regie: Wes Anderson; Stimmen (OV): George Clooney, Meryl Streep, Bill Murray, Jason Schwartzman, Willem Dafoe, Owen Wilson, Jarvis Cocker; Farbe, 87 Minuten

Kinostart: 13. Mai

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