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Filmkritik

„Der göttliche Andere“: Jesus als störender Dritter

Der Fernsehjournalist Gregory Spring hält sich für sehr aufgeklärt. Dass er nach Rom gerufen wird, um dort auf die Ernennung eines neuen Papsts zu warten, akzeptiert er mit der leichten Arroganz eines Mannes, der schon viel gesehen hat – er kommt auch gerade von einer Krisereportage aus dem Kongo. Wie es das Drehbuch der Komödie „Der göttliche Andere“ von Jan Schomburg so will, trifft Gregory in Rom auf Maria, eine schöne, junge Frau, die in wenigen Tagen ihr ewiges Gelübde ablegen will. Sie wird Nonne werden und damit Jesus heiraten.

Um zumindest einmal auch noch die Freuden der irdischen Sexualität zu erleben, und weil mit Gregory ein passender Kandidat zur Stelle ist, kommt es zu einer Liebesnacht, die nur eine Bedingung hat: es darf daraus keine Liebe entstehen.

Der göttliche Andere von Jan Schomburg
„Der göttliche Andere“ von Jan Schomburg. Foto: Warner

Selbstverständlich verlieben sich beide, allerdings beginnt nun eine Kette von seltsamen Verkommnissen und Missverständnissen, die vielleicht nicht anders zu deuten sind, als dass der himmlische Bräutigam von Maria interveniert: Jesus ist „Der göttliche Andere“. Er lässt den Motorroller von Maria stottern, wenn Gregory auf dem Rücksitz seinen Arm um sie legt; er richtet eine Überschwemmung an, als die beiden bei einer nächtlichen Tanzveranstaltung einander zu nahe kommen. Irgendwann fährt Jesus so schwere Geschütze auf, dass es stark danach aussieht, als hätte diese Liebe keine Chance.

Heilige Spannung und irdisches Wohlgefallen: „Der göttliche Andere“ von Jan Schomburg

Da es in Komödien aber immer darum geht, Hindernisse zu überwinden, nimmt auch diese einen absehbaren Weg. Jan Schomburg, der 2011 mit „Über uns das All“ bekannt wurde, rückt in „Der göttliche Andere“ vor allem die Attraktionen der sommerlichen Stadt Rom in den Mittelpunkt: von einer prächtigen Dachterrasse mit Blick auf den Schornstein des Vatikan bis zu einer romantischen Bank bei der Villa Borghese reichen die Schauplätze.

Dazu gibt es einen ehrwürdigen Schneider, eine tragische Nonne, ein paar queere Freunde von Maria und einen dussligen Kameramann, der Latein mit Italienisch verwechselt. Das ist alles leidlich lustig, und eine Stunde lang kommt fast so etwas wie eine Andeutung heiliger Spannung auf, bevor sich dann alles doch sehr erwartbar in irdisches Wohlgefallen und Arthouse-Konventionalität auflöst.

D 2019; 91 Min.; R: Jan Schomburg; D: Callum Turner, Matilda de Angelis, Kemaal Deen-Ellis; Kinostart: 13. 8. 2020


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