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„Der Gott des Gemetzels“ im Kino

Der Gott des Gemetzels

Ist „Der Gott des Gemetzels“ also nur der Rechtfertigungsfilm eines alten, immer wieder mit einem schweren Fehler konfrontierten Mannes? Das würde der Qualität des Theaterstücks und des Drehbuches, das Yasmina Reza gemeinsam mit Polans­ki verfasste, nicht gerecht werden, ebenso wenig Polanskis unspektakulärer, aber konzentrierter Inszenierung und den hervorragenden schauspielerischen Leistungen des Hauptdarstellerquartetts. Da kann man sich schon amüsieren: über Christoph Waltz’ skrupellosen Anwalt eines offenbar ebenso skrupellosen Pharmakonzerns, sein penetrantes Dauertelefonieren und seinen Zusammenbruch, als das Handy schließlich in der Tulpenvase landet, über Jodie Fosters verbitterte Bildungsbürgerin mit dem Hang, über das Elend in Afrika zu salbadern, und über John C. Reilly, der eben nicht der joviale, liberale Typ ist, als der er zunächst erscheinen möchte, sondern ein etwas ordinärer Macho, der zu viel trinkt. Und Kate Winslet schließlich wird der ganzen Bagage hemmungslos auf den Tisch kotzen und dabei schnell noch ein paar von Jodie Fosters Kunstbänden ruinieren, welche den Anschein der eigenen Bildung so dekorativ demonstrieren.
Bei aller Karikatur, die in den verschiedenen Figuren steckt, bleiben diese in ihren Handlungen doch auch ein gutes Stück in der Realität verankert, nachvollziehbar und wiedererkennbar: ein bitter-komischer, manchmal drastischer Anlass für uns alle, die eigenen Ansichten und Verhaltensweisen auf den Prüfstand zu stellen.

Text: Lars Penning

Fotos: Constantin Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Der Gott des Gemetzels“ im Kino in Berlin

Der Gott des Gemetzels (God Of Carnage), Frankreich/Deutschland/Polen 2011; Regie: Roman Polanski; Darsteller: Jodie Foster (Penelope Longstreet), Kate Winslet (Nancy Cowan), Christoph Waltz (Alan Cowan), John C. Reilly (Michael Longstreet); 80 Minuten; FSK 12

Kinostart: 24. November

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