Drama

„Der Himmel wird warten“ im Kino

Der Islam gehört zu Deutschland, und zu Frankreich, und zu allen anderen Ländern mit Religionsfreiheit.

Foto: Neue Visionen

Was das aber im Konfliktfall wirklich heißt, das kann man vielleicht erst ermessen, wenn man als Familie erlebt, wie eine Tochter sich einem Glauben unterwirft, der sie vom Leben trennt. Gibt es ein krasseres Bild dafür als das der 16-jährigen Mélanie, die voll verschleiert Cello spielt?
Das französische Drama „Der Himmel wird warten“ erzählt an zwei Beispielen, wie sich dieser Ablösungsprozess vollzieht und wohin er führen kann. Mélanie Thenot lebt mit ihrer Mutter, Sonia Bouzaria ist Teil einer richtigen Musterfamilie. Umso größer ist der Schreck, als bei den Bouzarias eines Tages die Polizei ins Haus platzt. Terrorverdacht. Die beiden Geschichten haben lose miteinander zu tun, sie stehen für viele andere, den gemeinsam Faden stellt Marie-Castille Mention-Schaar mit einer Selbsthilfegruppe von Eltern her, die von Dounia Bouzar geleitet wird. Sie ist keine Schauspielerin, sondern Leiterin eines Zentrums zur Verhinderung des sektiererischen Abgleitens junger Menschen.
„Der Himmel wird warten“ ist aber nur auf dieser Ebene dokumentarisch, insgesamt sind die Strategien der Regisseurin die eines klassischen, aufrüttelnden Dramas: Bei aller Bemühung um psychologische Nuancen spekuliert Mention-Schaar vor allem auf die überwältigenden Emotionen, die aus der Verständnislosigkeit erwachsen.

Le ciel attendra (OT) F 2016, 105 Min., R: Marie-Castille Mention-Schaar, D: Noémie Merlant, Naomi Amarger, Sandrine Bonnaire, Clotilde Courau, Zinedine Soualem, Start: 23.3.

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