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Der Horrorfilm „Orphan – Das Waisenkind“ im Kino

Der kleine Daniel kann nicht widerstehen, den Abzug an seiner Paintball-Pistole zu ziehen. Der Farbball explodiert an der hilflosen Taube, die sich eben arglos neben den Action-Figuren des Jungen niedergelassen hat und streckt sie nieder. Doch die Taube ist nicht tot, sondern windet sich vor Schmerzen. „Erlöse sie von ihren Qualen“, sagt Daniels neue Schwester Esther. Doch das bringt Daniel nicht fertig. Also nimmt Esther einen großen Stein und zertrümmert den zuckenden Körper der angeschossenen Taube. Die anderen Kinder sind entsetzt von der Gefühlskälte der Neunjährigen. „Das ist schon in Ordnung. Die ist jetzt im Himmel“, beruhigt sie mit einem fiesen Grinsen ihre verängstigten Spielkameraden.
Nach einer Fehlgeburt haben Kate (Vera Farmiga) und John (Peter Sarsgaard) – die schon den Sohn Daniel und die gehörlose Tochter Max haben – die frühreife Esther (Isabelle Fuhrman) adoptiert. Und jetzt macht das manipulative Balg ihr gemütliches Upperclass-Leben zur Hölle. Denn Esther malt gern apokalyptische Bilder, die sich hervorragend als Cover fürs nächste „Slayer“-Album eignen würden. Heimlich beobachtet sie ihre Eltern beim wilden Sex in der Küche. Und ihrem kleinen Bruder droht sie, mit dem Teppichmesser seinen Puller abzuschneiden, wenn er den Eltern ihr Geheimnis verrät.
Garstige Knirpse, die ihre Familien in den Wahnsinn treiben, haben im Horrorkino Tradition. In der Regel sind Satansbraten wie Damien aus „Das Omen“ aber vom Teufel besessen und können mit allerlei religiösem Mumpitz bekämpft werden. Doch bei der bösen Esther hilft kein Weihwasser oder Vaterunser. Zu enthüllen, was bei ihr nicht stimmt, würde jedoch bedeuten, den schönen Twist am Ende des Films zu verraten. Deshalb nur soviel: Regisseur Jaume Collet-Serra („House of Wax“) hat einen überraschend originellen Horrorfilm abgeliefert, der immerhin so schrecklich ist, dass man den darin auftretenden Kinderdarstellern das Ansehen verbieten sollte.
Neben der echt bösen Isabelle Fuhrman als Esther überzeugt vor allem die völlig aufgelöste Vera Farmiga, die schon 2007 eine sehr ähnliche Mutterrolle in „Joshua – der Erstgeborene“ überstehen musste.

Text: Jörg Buttgereit

tip-Bewertung: Sehenswert

Das Waisenkind (Orphan), USA 2009; Regie: Jaume Collet-Serra; Darsteller: Vera Farmiga (Kate Coleman), Peter Sarsgaard (John Coleman), Isabelle Fuhrman (Esther/Leena Klammer); Farbe, 123 Minuten

Kinostart: 22. Oktober

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