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Der Horrorfilm „Sinister“ im Kino

Sinister

Als Zuschauer wissen wir bereits von Beginn an, dass das unscheinbare Haus, in das der Autor Ellison Oswalt (Ethan Hawke) mit seiner Frau (Juliet Rylance) und den heranwachsenden Kindern einzieht, im Kern ein verwunschenes ist. Oswalt hat das Haus, in dem vor Jahren schreckliche Morde begangen wurden, bewusst als neues Domizil gewählt, denn er ist Autor von Büchern über unaufgeklärte Verbrechen und erhofft sich für sein neues Serienmörderbuch Inspiration vom authentischen Geist des Ortes. Sein letzter Erfolg in dem Genre liegt über zehn Jahre zurück. Seitdem sind nicht nur die finanziellen Verpflichtungen, sondern auch die Zweifel an seinem schriftstellerischen Vermögen gewachsen. Ethan Hawke spielt diesen Autor als psychisch schwachen, stets unruhigen Charakter. Er ist der Protagonist der Erzählung, dem mit dem Haus und den geschichtlichen Zeichen, die es aussendet, immaterielle Gegenkräfte gegenübergestellt sind, die erst durch seine besessene Recherche aus der Verdrängung hervorgerufen und reanimiert werden.
Scott Derrickson benutzt Hawke dabei als Medium und Stellvertreter des Zuschauers, indem er ihn reale Vorgänge traumähnlich erleben und gleichzeitig vollkommen davon benommen erscheinen lässt. „Sinister“ konstruiert auf dieser Basis von der ersten bis zur letzten Minute ein dunkles, ökonomisches Effektkino, das von immer drastischer werdenden Schockelementen rhythmisiert wird. Die zunächst an „Shining“ orientierte Geschichte vom Autor im Spukhaus vermengt sich währenddessen bald mit paranormalen Elementen und okkultem Geheimwissen. Die mechanistische Ernsthaftigkeit, mit der die Schockbestandteile nach und nach aufgetürmt werden, unterscheidet den Film aber stark von den ironischen Produktionsansätzen, die lange im Horrorfach vorherrschten. Selbst der historisierende Super-8-Index (auf dem Dachboden gelagerte Home-Movies, auf denen Ritualmorde aufgezeichnet sind) wird nicht augenzwinkernd platziert, sondern als immersiver Medientransfer genutzt, mit dem sich nebenbei anregende Gedanken zum Horrorgenre formulieren lassen, ohne dass „Sinister“ dabei zum ironischen Meta-Film mutieren würde.

Text: Michael Baute

Foto: Phillip Caruso 2011 / Wild Bunch Germany 

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Sinister“ im Kino in Berlin

Sinister, USA 2012; Regie: Scott Derrickson; Darsteller: Ethan Hawke (Ellison Oswalt), Juliet Rylance (Tracy), Fred Dalton Thompson (Sheriff); 114 Minuten; FSK 16

Kinostart: 22. November

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