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„Der Ja-Sager“ im Kino

Das Menschenrecht auf schlechte Laune ist nirgendwo verbrieft, deswegen ist es auch so schwer durchzusetzen. So muss sich der griesgrämige Bankbeamte Carl Allen (Jim Carrey) ständig die gleiche Leier anhören: Ach, sei doch nicht so! Amüsier dich mit uns, das Leben ist schön und lus­tig! Aber Carl ist hartnäckig. Er hat sich seit der Trennung von seiner Freundin so an sein abweisendes Verhalten, seine langen Abende vor dem Flatscreen und an die Brüskierung seiner letzten Freunde gewöhnt, dass er eigentlich ein Fall für eine Therapie ist. Die kommt in der Komödie „Der Ja-Sager“ in Form eines klassischen Falls von Gruppenterror.

Inmitten einer Tausendschaft positiver Menschen sitzt Carl eines Tages in einem Saal und wird darauf eingeschworen, „Ja“ zu sagen. Immer und ausnahmslos. Zu jedem noch so dämlichen (oder unsittlichen) Antrag. Auf diese Weise kommt eine gehörige Dosis Zufall in sein Leben, das dann auch entsprechend aufgemischt wird. Gleich am ersten Abend bringt er einen Obdachlosen zu dessen Schlafstelle unter einem Busch. Wie es sich trifft, bleibt dort dann auch Carls Auto ohne Benzin liegen, aber nur so kann er Allison (Zooey Deschanel) kennenlernen, die von nun an seine Lichtgestalt ist.

Der Ja-Sager“ variiert im Grunde das Motiv einer früheren Jim-Carrey-Komödie, „Liar, Liar – Der Dummschwätzer„. Aber während dort alles dezidiert familienfreundlich ausgerichtet war und auf Dressur hinauslief, bewahrt sich Peyton Reed mit seinem Drehbuchteam einen ausgeprägt anarchischen und popkulturellen Zug. Der Film ist an der Oberfläche relativ konventionell, er ist jedoch aufgeladen mit zahllosen wunderbaren Details, mit obskursten Filmausschnitten und spleenigen Figuren wie Carls Vorgesetztem Norm (Rhys Darby). Jede dieser Ideen sitzt perfekt.

Fans von Jim Carrey, die um seine persönlichen Probleme mit Depressionen wissen, werden „Der Ja-Sager“ vielleicht auch als Spiel mit dem eigenen Image (und mit dem eigenen Altern!) sehen können. Für alle anderen könnte dies einfach eine liebevoll gearbeitete Komödie sein, die das Menschenrecht auf schlechte Laune nicht bestreitet, sondern ins richtige Verhältnis setzt.

Text: Bert Rebhandl

Yes Man USA 2008; Regie: Peyton Reed; Darsteller: Jim Carrey (Carl Allen), Zooey Deschanel (Allison), Rhys Darby (Norman); Farbe, 104 Minuten; Kinostart: 19. Februar 2009

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