Kino & Stream

Der Jahresbericht des Medienboard

Medienboard Berlin-Brandenburg

Es ist frostig im Kreuzberger Fluxbau an diesem grauen Herbstmorgen, die Heizung war wohl über Nacht aus, auch die Kaffeemaschine ist noch nicht warmgelaufen. Die 20 Journalisten frieren etwas, auch von den Holztischen am Ende des Raumes kommt wenig Wärme.
Zur Vorstellung des Medienboard-Jahresberichts 2011, für Rück- und Ausblick, sind Björn Böhning, Berliner Senats­kanzlei-Chef und seit Dezember Medienboard-Aufsichtsratsvorsitzender, sowie sein Stellvertreter, der Brandenburger Wirtschaftsstaatssekretär Henning Heidemanns, erschienen, ebenso die Medienboard-Geschäftsführer Kirsten Niehuus und Elmar Giglinger.
Böhning beginnt seinen kurzen Vortrag mit einem matten Scherz („Die Region ist heißer, als es die Temperatur hier im Raum suggeriert“), es folgen schnell und professionell präsentierte Erfolgsmeldungen. Immer mehr Risiko-Investoren kämen nach Berlin, sagt Böhning, die Filmproduktion in der Region sei heute „ein Dauer-Gütesiegel, das man uns so schnell nicht nehmen kann“ (Niehuus), Berlin sei das „Start-Up-Zentrum Europas“ (Giglinger). Nur ab und an wird man auch nachdenklich: Für das Studio Babelsberg war 2012 ein eher schlechtes Jahr, relevante Großaufträge blieben bis auf „Die Schöne und das Biest“ aus. Auch die TV-Produktion schwächelt in der Region, jenseits von Polit-Talkshows und Nachrichtenformaten sind Berlin und Brandenburg offenbar nicht attraktiv. Umso wichtiger werden Computerspiel-Entwicklungen, der Gaming-Bereich gedeihe „prächtig“, meint Elmar Giglinger.
Überhaupt scheint man die Zukunft im Digitalen zu sehen. Die Digitalisierung der Kinos kommt laut Kirsten Niehuus gut voran, in der Filmherstellung, so Heidemanns, bedeute digitale Produktion Kostenvorteile und Nachhaltigkeit, „Rechenpower ist entscheidend!“, erklärt er. Ob aus dem Digital-Ausbau langfristig tragfähige Geschäftsmodelle hervorgehen, wird zu beweisen sein: Bits und Bytes haben keine Standortbindung, der internationale Konkurrenzdruck ist enorm.
Was zunächst nicht angesprochen wird und nur als Nebensatz im gut 100-seitigen Tätigkeitsbericht auftaucht: Im Juli war der Jahresbericht 2011 des Medienboards, das in dem besagten Jahr gut 30 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln vergab, wegen „Unregelmäßigkeiten“ nicht bestätigt worden. Auf die Nachfrage einer Journalistin reagiert Björn Böhning eher genervt. Nach einer externen Sonderprüfung habe es Entwarnung gegeben, „wir haben auf der Aufsichtsratssitzung vor zwei Wochen den Jahresabschluss bestätigt und die Geschäftsführung entlastet“, erklärt Böhning. Und fügt an, die „internen Buchungs- und Kontrollmechanismen“ des Medienboards seien absolut ausreichend. Danach gibt es Schnittchen und kurze Einzelgespräche. Dann geht es zurück in den Nieselregen.

Text: Thomas Klein

Foto: Medienboard / Katharina Papke

www.medienboard.de

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