Tragikomödie

„Der Landarzt von Chaussy“ im Kino

Ohne Kitsch: „Der Landarzt von Chaussy“ hat wenig von TV-Schmonzette

Foto: Alamode

Frankreichs Kinostar François Cluzet („Ziemlich beste Freunde“) als Landarzt: Dr. Werner führt seine Praxis ohne Computer und kennt seine Patienten seit vielen Jahren persönlich. Der Arzt ist für viele – und so sieht er sich auch selbst – unersetzlich. Als er selbst erkrankt und sich schonen muss, schickt ihm ein Freund und Kollege „jemanden zur Unterstützung“. Natürlich wollen sich der Landarzt und seine Patienten anfangs nicht an die neue Frau Doktor gewöhnen.
Der Film erfüllt alle Voraussetzungen für eine Landarztschmonzette, setzt aber von Anfang an einen völlig anderen Ton. Statt den manchmal zu ernsten Arzt in die Arme seiner ebenfalls mit einem Vorleben in der Praxis auftauchenden Vertretung zu treiben, bleibt Regisseur Lilti (der selbst mal Arzt war) in einfühlsamer Distanz zu seinen Protagonisten und gibt ihnen Raum zur Entwicklung.
Vor dieser Folie wirken die Konflikte des Arztes mit der unerfahreneren Kollegin, die unausgesprochene Sympathie der beiden füreinander, Dr. Werners Kampf mit seinem Ego – umso eindringlicher und wahrer. Ein feiner, dabei sehr humorvoller Film mit großartigen Darstellern, der den Mut hat, das große Drama und den Kitsch einfach zu ignorieren.

Le Médecin de Campagne (OT) F 2016, 102 Min., R: Thomas Lilti,  D: François Cluzet, Marianne Denicourt, Isabelle Sadoyan, Start: 8.9.

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