Dokumentarfilm

„Der letzte Dalai Lama?“ im Kino

Keineswegs ein Sakrileg ist das Fragezeichen am Ende des Titels von Mickey Lemles Dokumentarfilm über den aktuellen, den 14. Dalai Lama, sondern eine Möglichkeit, die der spirituelle Führer der Tibeter mit zunehmendem Alter und seinem absehbaren Tod immer wieder in den Raum gestellt hat

Lemle Pictures

Denn das der Dalai Lama, ebenso wie andere Lamas, dem buddhistischen Glauben folgend, einige Jahre nach dem Tod der aktuellen Inkarnation wiedergeboren wird, ist angesichts der aktuellen Lage der Tibeter nicht mehr nur eine spirituelle Frage, sondern eine politische. China, das Tibet seit Jahrzehnten besetzt, und nach und nach Kontrolle über sämtliche Aspekte des Landes übernommen hat, verlangt nach Mitsprache in der Frage, wer der nächste Dalai Lama wird. Dass die Weltmacht diese wichtige Position gern selbst kontrollieren würde, das liegt auf der Hand – was den aktuellen Dalai Lama dazu gebracht hat, mit der Möglichkeit zu kokettieren, nicht mehr wiedergeboren zu werden.

Diese zentrale Frage der zukünftigen Entwicklung des Buddhismus steht im Mittelpunkt von Mickey Lemles Film, der schon vor einem Vierteljahrhundert einen Film über den Dalai Lama gedreht hatte und dadurch besonders guten Zugang zu einem der bekanntesten und wohl auch beliebtesten Menschen der Gegenwart hatte. Was allerdings nicht kaschieren kann, dass es Lemle nicht wirklich gelingt, die Diskussion der Titelfrage zum Anlass zu nehmen, wirklich in die Tiefen des Buddhismus zu gehen und sich mit spirituellen Fragen zu beschäftigen. Stattdessen zeigt er das auch im Alter von 80 Jahren noch volle Leben des Dalai Lama, der von Prominenten hofiert und von seinen Anhängern verehrt wird, dabei aber von erstaunlicher Bescheidenheit und Gelassenheit geprägt zu sein scheint.

The Last Dalai Lama? (OT) USA 2016, 81 Min., R: Mickey Lemle, Start: 24.5.

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