Zeitreise

„Der Mann aus dem Eis“ im Kino

Ötzis brachiales Abenteuer

Port Au Prince

Der Mann selbst ist der Star im Südtiroler ­Archäologiemuseum in Bozen. Als 1991 in den Ötztaler Alpen die bald Ötzi getaufte, mumifizierte Leiche eines Steinzeitmenschen gefunden wurde, war das eine Sensation, weil der Körper des wohl gewaltsam zu Tode Gekommenen bestens erhalten war. Autor und Regisseur Felix Randau („Northern Star“) hat sich nun die künstlerische Freiheit genommen, rund um Ötzi ein Abenteuer zu ersinnen.

3.300 vor Christus. Das Leben in der Jungsteinzeit ist hart, auch für Kelab (Jürgen ­Vogel), der als Jäger und Sammler versucht, seine Sippe zu ernähren. Eines Tages wird sie in Kelabs Abwesenheit von Krant (André Hennicke) und seinen beiden Söhnen überfallen, sie ermorden alle bis auf ein Neugeborenes. Kelab will nur noch eines: Rache. Er nimmt sich des Babys an und die Fährte der Mörder auf. Unterwegs kann er das Kleine bei einer jungen Frau zurücklassen. Bald wird es zur Konfrontation mit Krants Sipp kommen.

Die Faszination liegt hier nicht auf der arg ­simplen Rache-Handlung, sondern auf der Umsetzung. Und da scheinen alle Beteiligten sorgfältig den heutigen Wissensstand berücksichtigt zu haben: Das beginnt mit der Sprache, eine Art rudimentäres Rätoromanisch, über die Ausstattung bis zum Kostüm, was an Jean-Jacques Annauds „Am Anfang war das Feuer“ von 1981 erinnert. Mittendrin: Jürgen Vogel, der aufopferungsvoll den Ötzi gibt und die – auch physische – Herausforderung sichtlich genießt.

Der Mann aus dem Eis D/I/A 2017, 96 Min., R: Felix Randau, D: Jürgen Vogel, André Brennicke, Sabin Tambrea, Start: 30.11.

Mehr über Cookies erfahren