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Der Mann, der niemals lebte

der_mann_der_niemals_lebteMittels der modernen Technik ist dieser Gott stets und überall präsent, wenn es darum geht, sein Geschöpf zu lenken. Dieser Gott betreibt sein Geschäft mit dem Charme eines übergewichtigen Handelsvertreters, während sein wi­derspenstiger Handlanger sich fortwährend eine blutige Nase einfängt. Doch beide arbeiten für den gleichen Verein – die CIA.

Spannend und realistisch schildert der britische Regisseur Ridley Scott in seinem abendanzugsfreien Agententhriller das schmut­zige Geschäft des US-Geheimdienstes im Nahen Osten – wobei Leonardo DiCaprio als integrer Auslandsagent vor Ort und Russell Crowe als sein zynischer Vorgesetzter in der Washingtoner Einsatzzentrale unterschiedliche Strategien verfolgen. Um einen islamistischen Terroristen aufzuspüren, soll der Undercover-Mann Ferris (DiCaprio) mit dem jordanischen Geheimdienst kooperieren. Doch dessen Gebot zu absoluter Loyalität wird von dem am liebs­ten von der heimischen Terrasse aus operierenden CIA-Analysten Hoffman (Crowe) immer wieder konterkariert. Durch dessen Alleingänge und den verwegenen Plan, einen unschuldigen arabischen Architekten als vermeintlichen Bombenleger aufzubauen, um so den untergetauchten Terrorprediger herbeizulocken, gerät Ferris’ Leben in höchste Gefahr.

Nach einem Roman des „Wa­shington Post“-Kolumnisten David Ignatius entwirft „Der Mann, der niemals lebte“ das beklemmende Szenario einer Welt, die dem amerikanischen Kontrollzwang komplett überantwortet ist. Zwar ist der Film trotz häufiger Schauplatzwechsel und einer komplexen Dramaturgie formal nicht so brillant wie zuletzt der Nahost-Thriller „Syriana“, in seiner Darlegung geheimdienstlicher Machenschaften aber ebenso hellwach. Vielleicht sogar noch unverblümter führt dieses famose Schaustück der Auslandsaufklärung das moralische Fiasko des amerikanischen „Kriegs gegen den Terror“ vor Augen – und die Hybris der noch amtierenden Regierung, sich in ihm als Alliierter Gottes zu empfinden.

Text: Jörg Schöning

Body of Lies USA 2008; Regie: Ridley Scott; Darsteller: Russell Crowe (Ed Hoffman), Leonardo DiCaprio (Roger Ferris), Mark Strong (Hani); Farbe, 128 Minuten; Kinostart: 20. November 2008

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