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„Der Medicus“ im Kino

Der Medicus

Noah Gordons historischer Roman „Der Medicus“ entwickelte sich seit seinem Erscheinen im Jahr 1986 vor allem in Europa zum Bestseller; allein in Deutschland gingen rund sechs Millionen Exemplare über die Ladentheke. Insofern verwundert es nicht, dass der Stoff jetzt tatsächlich als deutsche Produktion in die Kinos kommt, die sich in Bezug auf ihren Aufwand und die Besetzung jedoch klar an internationalen Maßstäben orientiert.
Wenn Produzent Nico Hofmann und Regisseur Philipp Stölzl die Verfilmung der epischen Geschichte vom wissbegierigen Rob Cole (Tom Payne), der vom mittelalterlichen England aus nach Persien aufbricht, um in der Stadt Isfahan beim berühmten Arzt Ibn Sina die Heilkunst zu erlernen, allerdings auch nur ansatzweise in die Nähe eines Meisterwerks wie „Lawrence von Arabien“ rücken, dann möchte man schon sagen: Nun bitte einmal halblang.
Denn das Ergebnis ihrer Bemühungen sieht doch eher aus wie ein altmodischer Orient-Abenteuerfilm, der zwar einige Prätentionen bezüglich interkultureller und interreligiöser Verständigung entwickelt, jedoch wenig Wert auf plausible Plot-Wendungen legt und in dem es auch nicht völlig verwundern würde, wenn im nächsten Moment Maria Montez als dürftig verschleierte Bauchtänzerin um die Ecke käme. Und eigentlich trifft der Film damit sogar ganz gut den Kern des Romans, der ebenfalls mit intellektuellen Aspirationen an den Start geht, aber auch nichts anderes ist als gut gemachtes Grabbelkistenfutter für den nächsten Strandurlaub. Behält man dies im Hinterkopf, dann ist „Der Medicus“ kein schlechter Unterhaltungsfilm: Stellan Skarsgеrd als quacksalberischer Bader, Ben Kingsley als nobler Arzt Ibn Sina und Olivier Martinez als zwischen Despotie und liberaler Geisteshaltung zerrissener Schah von Isfahan setzen durchaus schauspielerische Glanzpunkte, laufen dabei allerdings Gefahr, dass die Entwicklung ihrer Figuren von einem Übermaß an Handlungssträngen eingeengt wird, die im Finale auf sagenhafte fünf simultane dramaturgische Höhepunkte zusteuern. Immerhin, und das ist bei allem leichten Amüsement ganz ernst gemeint: Hier gibt es noch was fürs Geld, und das ist in Monumentalwerken ja nicht unbedingt das Schlechteste.

Text: Lars Penning

Foto: 2012 UFA Cinema GmbH

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Der Medicus“ im Kino in Berlin

Der Medicus, ?Deutschland 2013; Regie: Philipp Stölzl; Darsteller: Tom Payne (Medicus Rob Cole), Emma Rigby (Rebecca), Sir Ben Kingsley (Ibn Sina); 155 Minuten; FSK 12

Kinostart: 25. Dezember

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