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„Der mit den Fingern sieht“ im Kino

Der mit den Fingern sieht

Der 53-jährige Türke Esref Armagan ist Maler. Seine Bilder zeigen Landschaften, Blumen, Schmetterlinge und Segelboote, sie sind dabei eher flächig, sehr farbig und erinnern stilistisch ein wenig an naive Malerei. Das wäre an sich nicht außergewöhnlich, doch Armagan ist von Geburt an blind. Regisseur Savas Ceviz porträtiert den außergewöhnlichen Mann in seiner Dokumentation „Der mit den Fingern sieht“ auf eher herkömmliche Weise: Armagan erzählt aus seinem Leben, man sieht ihm beim Malen und Zeichnen zu, begleitet ihn und seine ebenfalls blinde Frau auf täglichen Wegen. Dass dies interessant bleibt, ist vor allem der Persönlichkeit Armagans zuzuschreiben, seiner unbändigen Neugier und Freude an der Welt. Darüber hinaus interessiert der „Fall Esref“ vor allem Neurologen, die ihn im Kernspintomografen durchcheckten und dabei feststellten, dass der Maler beim Betasten von Gegenständen und der zeichnerischen Wiedergabe genau jene Gehirnregionen aktiviert, die Nicht-Blinde beim Sehen nutzen. Esref sieht tatsächlich mit den Fingern, ein Beweis mehr für die Adaptionsfähigkeit des Gehirns.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Der mit den Fingern sieht“ im Kino in Berlin

Der mit den Fingern sieht, Deutschland/Türkei 2010; Regie: Savas Ceviz; 90 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 12. Mai

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