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Der neue Film von Sam Mendes: „Away We Go“ im Kino

In ihrem System von Unverbindlichkeiten haben sie sich komfortabel eingerichtet. Bis sie ein Kind erwarten und sich selbst ein Erwachsenwerden verordnen, mit dem sie nur vage Vorstellungen verknüpfen.
Das naheliegende Einkuscheln in den Schoß der Familie wird zum Fiasko, als sich Burts amerikanische Vorzeige-Eltern just in diesem Moment zum Selbstfindungstrip nach Europa entschließen. Nun sind die beiden, der chao­tische Versicherungsmakler und die hochschwangere Grafikerin, auf sich gestellt auf ihrer Suche nach dem richtigen Leben.
Im amerikanischen Kino wird die innere Entwicklung gerne über eine räumliche Metapher erzählt, sie wird zur Recherche und Quest, deren heiliger Gral die Summe der gesammelten Erfahrungen ist. In „Away We Go“ gipfeln diese in dem Schwur, niemals so zu werden wie die dysfunktionalen Familien, die das Paar auf seiner Reise quer durch die USA besucht. Wie Bill Murray in Jim Jarmuschs „Broken Flowers“ finden Maya Rudolph (Ve­rona) und John Krasinski (Burt) das eigene Leben in anderen Möglichkeitsformen vorgeführt, wobei hier statt vertaner Chancen konkurrierende Optionen besichtigt werden. Dabei gibt sich der Film wunderbar unzimperlich in seinen satirischen Schlaglichtern auf Familienmodelle, die sich zwischen zynischer Resignation und esoterischer Überhöhung bewe­gen.
Autorentheoretisch betrachtet rollt der Brite Sam Mendes sein thematisches Feld von hinten auf, von der Midlife-Crisis („American Beauty„) ist er über die junge Ehe („Zeiten des Aufruhrs„) nun bei dem Moment der Familiengründung angekommen. Noch immer geht es um die Mühen der Ebene, die hinter dem Happy End liegen, doch die Grundstimmung ist heiterer und verspielter so nah am Anfang. Den beiden wird nach den Ernüchterungen ihrer Nachforschungen das Glück im Winkel als Rückkehr zu den?Wurzeln gegönnt. „Away We Go“ ist ein Plädoyer für den Möglichkeitssinn, für die Offenheit des Blicks, wie es der Film vorexerziert, wenn sich ein Flugzeug in Hochhausfassaden spiegelt und aussieht wie ein munterer kleiner Fisch, der ohne Ziel und aus purer Lebensfreude seine erratischen Kreise zieht.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Away We Go“ im Kino in Berlin

Away We Go, USA/Großbritannien 2009; Regie: Sam Mendes; Darsteller: John Krasinski (Burt Farlander), Maya Rudolph (Verona De Tessant), Jeff Daniels (Jerry Farlander); Farbe, 120 Minuten;
Kinostart: 15. Oktober

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