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Der neue Til Schweiger-Film „Phantomschmerz“

PhantomschmerzEigentlich, so sollte man meinen, hat der erfolgreiche deutsche Schauspieler, Regisseur und Produzent alles, was man sich wünschen kann. Was ihm offensichtlich zu seinem Glück noch fehlt, ist die Anerkennung der ignoranten Filmkritiker. Und die sind bekanntlich alle nicht mehr jung, auch nicht gut aussehend, und sie verabscheuen die „Bild“-Zeitung.
Doch jetzt will es Schweiger allen Zweiflern zeigen und setzt gnadenlos auf die Mitleidstour. In dem gut gemeinten Drama „Phantomschmerz“ spielt er den passionierten Rennradfahrer Marc Sommer aus dem schmuddelig, hippen Kreuzberg 36. Trotz einer unsäglichen Langhaarperücke auf dem Kopf bekommt Schweiger jede scharfe Szenebraut im Kotti-Kiez in sein Bett. Dass er sich bei diesem Lebensstil nicht fachgerecht um seine aus einer gescheiterten Beziehung hervorgegangene Toch­ter Sarah (gespielt von Luna Schweiger) kümmern kann, versteht sich von selbst. Die Zwölfjährige findet ihren coolen Vater trotzdem ganz toll und wittert in ihm gar einen Poeten.
Doch schon naht der unausweichliche Schicksalsschlag: Bei einem Verkehrsunfall, der, wie es sich für solch tiefgründige Filmperlen gehört, außerhalb des Bildes stattfindet, verliert Marc sein linkes Bein. Die unwissenden Ärzte geben ihm natürlich kaum eine Überlebenschance. Doch der unerschütterlich optimistische Le­benskünstler bekommt trotz der titelgebenden Phantomschmerzen schon bald eine tolle Beinprothese, eine noch tollere Frau (Jana Pallaske), reißt sich befreit die Perücke vom Kopf und lässt die Krücken fallen. Dann beschließt er kühn, seine Geschichte für die Nachwelt aufzuschreiben und radelt auf seinem Rennrad auf einen Berg der Sonne entgegen ins Glück. Na, da ist die kleine Sarah vielleicht stolz auf ihren verrück­ten Daddy.
Der gefühlsduselige Schmonz basiert natürlich auf einer wahren Geschichte. Regisseur Matthias Emcke hat einen kanadischen Freund namens Stephen Summer, der 2004 bei einem Verkehrsunfall sein linkes Bein verloren hat. Vielleicht hätte Emcke lieber einen Dokumentarfilm über seinen Freund drehen sollen. Wir drü­cken Til Schweiger natürlich trotzdem die Daumen für irgendeinen deutschen Filmpreis.

Text: Jörg Buttgereit

tip-Bewertung: Ärgerlich

Phantomschmerz, Deutschland 2008; Regie: Matthias Emcke; Darsteller: Til Schweiger (Marc), Jana Pallaske (Nika), Stipe Erceg (Alex); Farbe, 98 Minuten

Kinostart: 30. April

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