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„Der Staat gegen Fritz Bauer“ im Kino

Der Staat gegen Fritz Bauer

„Für mich ist er ein Held“, sagt Lars Kraume über Fritz Bauer. „Ich finde, er müsste zumindest ebenso bekannt sein wie Stauffenberg. Aber die meisten Menschen wissen nicht, wer Fritz Bauer ist. Das finde ich schade. Denn wenn man auf die deutsche Geschichte zurückschaut, gibt es ganz wenige Menschen von seiner Größe“, fügt er hinzu und vergleicht ihn mit Edward Snowden heute: „Das sind Menschen, die dazu inspirieren, sich gegen Unrecht aufzulehnen.“
Wer war dieser Fritz Bauer? Er war nach dem Zweiten Weltkrieg der hessische Generalstaatsanwalt, ihm gebührt der Verdienst, die Frankfurter Auschwitz-Prozesse in den späten 50er-Jahren in Gang gesetzt zu haben, durch die die Deutschen mit den Nazi-Verbrechen konfrontiert wurden, die sie nach 1945 so gerne verdrängt hatten.  
Doch das war nicht einfach, denn „meine eigene Behörde ist Feindesland“, wie Bauer hier einmal sagt und dabei auf all jene Juristen anspielt, die vor 1945 im Nationalsozialismus das Recht beugten und nach 1945 allzu schnell wieder in Amt und Würde waren. Was in ähnlicher Weise auch für den Polizeiapparat galt. „Wir wissen aus zuverlässiger Quelle, dass Eichmann in Kuwait ist“ verkündet der BKA-Mitarbeiter Gebhardt im Film gegenüber Bauer, der zu diesem Zeitpunkt längst weiß, dass der untergetauchte NS-Verbrecher sich in Südamerika aufhält. Dass Bauer entscheidenden Anteil an der Aufspürung Eichmanns hatte, – der dann vom israelischen Geheimdienst gekidnappt und dem in Jerusalem der Prozess gemacht wurde –, das wurde erst viel später bekannt.
Bauer war ein Vorbild, doch der Film stellt ihn nicht auf ein Podest, sondern zeigt ihn in seiner Zerrissenheit. Als Jude war er angreifbar, weil man ihm unterstellen konnte, Rache nehmen zu wollen, seine Homosexualität musste er verbergen, weil sie ihn erpressbar gemacht hätte. „Einen ungebrochenen Triumph im Leben Fritz Bauers kann man nicht ausmachen“, so Kraume.
„Wir zahlen einen hohen Preis dafür“, sagt Bauer zu dem jungen Staatsanwalt Angermann, in dem er einen Verbündeten findet: einen hohen Preis in jeder Hinsicht, denn ?der verheirate Angermann ist ebenfalls schwul und tappt trotz der Warnungen Bauers in eine Falle.
Als Bauer liefert Burghart Klaußner eine denk- und preiswürdige Leistung ab, nicht nur, weil er sich ihm in seinem Äußeren so perfekt annähert, sondern auch in seiner Gestik. Da nimmt man es auch hin, dass die Figuren in Dialogen und Monologen mehrfach die Zeitumstände erklären müssen. Insgesamt jedoch ein höchst gelungener Versuch, einen Kämpfer für die Demokratie bekannt zu machen.

Text: Frank Arnold

Foto: zero one film GmbH / Martin Valentin Menke

Orte und Zeiten: „Der Staat gegen Fritz Bauer“ im Kino in Berlin

Der Staat gegen Fritz Bauer, Deutschland 2015; Regie: Lars Kraume; Darsteller: Burghart Klaußner (Fritz Bauer), Ronald Zehrfeld (Karl Angermann), Sebastian Blomberg (Ulrich Kreidler); 105 Minuten

Kinostart: Do, 01. Oktober 2015

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