Historienessay

„Der Tod von Ludwig XIV“ im Kino

Albert Serras‘ Meditation über das Universum – antimajestätisch, klug und witzig

Foto: GRANDFILM

Königliche Hoheiten haben das Pech, dass sie nie allein sind. Es ist ihr Amt, das jede Privatsphäre vernichtet. Das zeigt sich besonders dann, wenn es ernst wird: beim Sterben. Albert Serras brillanter Film „Der Tod von Ludwig XIV.“ ist zugleich eine groteske Komödie über die alten Zeiten (als man über den menschlichen Körper noch nicht so viel wusste wie heute) wie auch eine todernste Meditation über das Universum und seine Grundfesten. Anders kann man das kaum sagen, obwohl der Film die allermeiste Zeit in einem einzigen Raum verbringt. Ludwig XIV., der Sonnenkönig, der Inbegriff des absolutistischen Herrschers, kehrt von der Jagd zurück und muss sich ein wenig hinlegen. Und dann wird er von einer Infektion an einem Bein geradezu aufgefressen. Das geht aber ganz langsam, und während dieser Zeit wird er von Heerscharen von Leuten aufgesucht, die ihn mit seltsamen Therapien und allerhand erlesenen Mahlzeiten umlagern, oder die einfach nur die Effekte der Souveränität noch einmal erleben wollen. Wir durchschauen das leicht als Theater, aber die irren Perücken, die der große Jean-Pierre Léaud in dieser wunderbar antimajestätischen Darbietung tragen muss wie Fetischobjekte in einer riesigen Unterwerfungsfantasie, sollen nicht täuschen: Albert Serra, einer der Klügsten im derzeitigen Weltkino, und vielleicht der Filmintellektuelle mit dem meisten Witz, führt uns mit „Der Tod von Ludwig XIV.“ an die Wurzeln eines Aberglaubens, aus dem die Aufklärung entstand, ohne ihn jemals loswerden zu können.

La mort de Louis XIV (OT) F/P/E 2016, 115 Min., R: Albert Serra, D: Jean-Pierre Léaud, Patrick d‘Assumçon, Marc Susini, Start: 29.6.

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