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Berlinale 2009: Eine Übersicht über den Wettbewerb

Steve Buscemi in

Die Briten
Stephen Frears geht mit der Adaption von Colettes Roman „Cheri“ auf eine Reise in die 20er Jahre und sieht der erotischen Ini­tiation eines jungen Mannes (Rupert Friend) aus reichem Hause zu, der für sechs Jahre der Liebhaber einer Nobelkurtisane (Michelle Pfeiffer) wird. Sally Potter zieht es in „Rage“ in die Modewelt von New York, wo ein Unfall auf dem Laufsteg bald Anlass für eine Morduntersuchung wird, der Vi­deo­blog eines Schuljungen spielt dabei eine Hauptrolle. Starverstärkt wird die ätzende Komödie durch Jude Law, Judi Dench, Dianne Wiest, John Leguizamo und Steve Buscemi. Über den Ärmelkanal nach Großbritannien gewechselt ist der Franzose Rachid Bouchareb für seinen jüngsten Film „London River„. Brenda Blethyn und Sotigui Kouyatй suchen darin verzweifelt nach ihren erwachsenen Kindern, die seit den Londoner Terroranschlägen vom Juli 2005 vermisst werden.

Der einsame Chinese
Während im Berlinale Forum in diesem Jahr Asien besonders stark repräsentiert ist, steht der chinesische Regisseur Chen Kaige mit „Mei Lanfang“ (Forever En­thralled) im Wettbewerb ziemlich einsam der dominanten euro-ame­rikanischen Phalanx ge­genüber. Haben die Konkurrenzfestivals der Berlinale in China, Indien, Japan, Taiwan, Korea und Thailand nur eine Wüste hinterlassen? Nichts los hinter dem Ural?
Gar nicht einsam bleibt der Titelheld von Kaiges His­torienfilm. Anfang des 20. Jahrhunderts stieg Mei Lanfang zum größten Star der Peking-Oper auf, besonders berühmt für seine Frauenrollen. Die Peking-Oper hat Kaige schon einmal, in „Lebewohl, meine Konkubine„, in den Mittelpunkt eines Films gerückt.

Die Deutschen
Im Wettbewerbsprogramm stellen die Deutschen in diesem Jahr die mit Abstand größte Gruppe. Neben Tom Tykwer („The Interna­tional“), Hans-Christian Schmid („Sturm“) und Maren Ade („Alle anderen“) ist für diese zahlenmäßige Überlegenheit in der Länderwertung die Regie-Gruppe von „Deutschland 09“ verantwortlich: Fatih Akin, Tom Tykwer, Wolfgang Becker, Sylke Enders, Dominik Graf, Romuald Karmakar, Nicolette Krebitz, Isabelle Stever, Hans Steinbichler, Hans Weingartner, Christoph Hochhäusler, Dani Levy und Angela Schanelec. Die Goldbären-Manufaktur kann allerdings aufatmen, es drohen keine Überstunden. „Deutschland 09“ läuft außer Konkurrenz.

Unbekannte Größen
Fast ein Drittel des Wettbewerbprogramms ist eine Wundertüte, es besteht aus Unbekannten, Debütanten und Überraschungen. Zum Beispiel der englische Regisseur und Musiker Peter Strick­land. Vor über zehn Jahren hatte er bereits einen Kurzfilm auf der Berlinale, jetzt zeigt er in der Königsklasse den rumänischen Rachefilm „Katalin Varga„. Auch der iranische Filmemacher Asghar Farhadi ist nur wenigen Eingeweihten ein Begriff. Sein vierter Film „About Elly“ erkundet die Generation der Mittdreißiger im Iran. GiganteDer amerikanische Regisseur George Tillman Jr. hat zwar schon einige Filmcredits vorzuweisen, zum Beispiel produzierte er die harmlosen Komödien „Barber­shop“ 1 und 2. Jetzt stellt er außer Konkurrenz das Bio-Pic „Notorious“ vor, in dem es um das schnelle Leben und Sterben des Rappers Notorious B.I.G. geht. Ebenfalls aus den USA kommt das Debüt „The Messenger“ von Oren Moverman, der sich mit dem Schicksal eines Irak-Heimkehrers (Woody Harrelson) beschäftigt, der als Bote der Army den Familienangehörigen gefallener Soldaten Todesnachrichten überbringen muss. Zwei weitere Debütanten kommen aus Südamerika: Adriбn Biniez bringt die argentinische Supermarktkomödie „Gigante“ aufs Festival, Claudia Llosa das peruanisch-archaische Todes- und Krankheitsdrama „La teta asustada“. Lassen wir uns überraschen.

Das Streitobjekt
Nach heftigen Auseinandersetzungen um den Final Cut kommt Bertrand Taverniers surreale Murder Mystery „In the Electric Mist“ nun endlich ans Licht der Öffentlichkeit. Tommy Lee Jones ist in Louisiana einem Serienmörder auf der Spur und muss sich parallel mit den Geistern konföderierter Soldaten, einem Hollywood-Star und lokalen Mafiosi herumschlagen. In weiteren Rollen sind John Goodman und Peter Sarsgaard zu sehen.

Kate Winslet in Prominente Amerikaner
Den Star mit den größten Oscar-Chancen bringt „The Reader“ (Der Vorleser) von Stephen Daldry mit: Doppel-Golden-Globe-Gewinnerin Kate Winslet spielt auf der Berlinale außer Konkurrenz mit, ebenso wie das prominente Ensemble der Tragikomödie „The Private Lives of Pippa Lee„, zu dem Robin Wright Penn, Alan Arkin, Winona Ryder, Keanu Reeves, Monica Bellucci und Julianne Moore gehören. Für den Film hat Rebecca Miller ihren eigenen Roman adaptiert. Man kann davon ausgehen, dass die Regisseurin selbst einigermaßen Celebrity-immun ist: Miller ist mit Daniel Day-Lewis verheiratet, ihr Vater ist Arthur Miller. Der US-Künstlerszene entstammt auch „Happy Tears“-Regisseur und Schauspieler Mitchell Lichtenstein, Sohn von Roy, in dessen Werkliste sich auch ein gleichnamiges Gemälde befindet. In Mitchell Lichtensteins Film kämpfen Demi Moore und Parker Posey als Schwestern mit der wachsenden Demenz ihres Vaters.

Europäisches Arthouse
François Ozon, Lukas Moodysson und Annette K. Olesen sind feste Größen im europäischen Kino. Sie liefern zuverlässig Qualitätsfilme ab und werden regelmäßig von den großen Festivals eingeladen. Ozon war bereits drei Mal im Berlinale-Wettbewerb vertreten, unter anderem mit „8 Frauen„. Jetzt hat er mit „Ricky“ eine fantastische Familiengeschichte um ein wirklich engelhaftes Kind inszeniert. Härter geht es bei der dänischen Dramenspezialistin Annette K. Olesen zu, die ebenfalls schon drei Mal auf der Berlinale zu Gast war. In ihrem neuen Film „Little Soldier“ geht es um zwei geschundene Frauen, eine Prostituierte und eine Soldatin, die sich näherkommen. Ganz aus dem Nor­den Europas reist der schwedische Regisseur Lukas Moodysson („Zusammen“) an, um sein Ehedrama „Mammoth“ vorzustellen – das allerdings völlig außereuropäisch ist. Es spielt in New York, Bangkok und auf den Phi­lippinen, mit Gael Garcнa Bernal und Michelle Williams hat es eine mexikanisch-amerikanische Starbesetzung.

Eden а l'ouest (Eden Is West)Die Veteranen
An ihnen kommt kein A-Festival vorbei, sie sind die Paten im Au­to­ren­kino, die kein Kurator ignorieren will, auch wenn das Kritiker-Publikum ihren Arbeiten gespalten ge­gen­überstehen mag. Theo Angelopoulos präsentiert den zweiten Teil seines Griechenland-Epos „Trilogia II: Iskoni tou hronou“ (The Dust of Time), Andrzej Wajda schenkt einer alternden Frau neue Lust in „Tatarak„, und Costa-Gavras liefert der Berlinale mit seinem Migrantendrama „Eden а l’ouest“ (Eden Is West) den Abschlussfilm. Ein Veteran ist auch der Pink Panther, der in Blake Edwards’ gleichnamigem Komödienklassiker von 1963 das Licht der Leinwand erblickte. Das vielleicht nicht ganz so großartige Serienremake „Pink Panther 2“ feiert auf der Berlinale außer Konkurrenz seine Premiere.

Text: VG, RW

Der Kartenvorverkauf für das öffentliche Programm der Berlinale startet am Montag, den 02.02.09 an allen bekannten Vorverkaufsstellen, sowie im Internet unter www.berlinale.de

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