Kino & Stream

Der World Cinema Fund bei der Berlinale 2011

Claudia Llosa

Bei einem Projekt wie dem von Paula Markovitch ist eine vergleichsweise kleine Summe, wie der WCF sie zuschießen kann (60.000 Euro sind in der Regel der maximale Betrag), schon eine beträchtliche Hilfe. Zudem spielen die besonderen Umstände der internationalen Filmförderung eine wichtige Rolle. Da es in Ländern wie Peru (wo Claudia Llosa herkommt, die 2009 mit „Eine Perle Ewigkeit“ den Goldenen Bären gewann), Paraguay (wo Paz Encina mit „Hamaca Para­guaya“ eines der interessantesten Debüts der letzten Jahre gedreht hat) oder Palästina (wo Hany Abu-Assad 2005 „Paradise Now“ drehte) kaum nennenswerte Filmförderungen gibt, sind internationale Geldgeber für die Produktion unumgänglich. Zugleich haben die großen Festivals ein Interesse daran, dass sie nicht nur auf Filme aus etablierten Nationen und ästhetischen Monokulturen zurückgreifen können. So entstehen die Synergien oder „Kooperationen“ (so ein Lieblingswort von Vincenzo Bugno) in beiderseitigem Interesse. Dass sich dabei im Lauf der letzten Jahre so etwas wie ein ein internationaler Festivaltypus von Filmen herausgeprägt hat, ist dabei aber wohl weniger Institutionen wie dem WCF zuzuschreiben, sondern hat vermutlich mit der extrem gestiegenen Zirkulation von Filmen insgesamt zu tun. Diese führt dazu, dass sich gewisse Stilistiken ausprägen, die wiederum eifrig nachgeahmt werden. Aufgabe der fördernden Institutionen ist es deswegen auch, Ausschau zu halten nach ästhetischer Innovation und nach originären Ansätzen, während ein großes Festival insgesamt konservativer agiert und sich an längeren Zyklen orientiert. Der World Cinema Fund ist so durchaus auch als Jungbrunnen für die Berlinale zu verstehen.
Anders als bei vielen Weltvertrieben, die häufig noch in der Projektphase schon die Rechte erwerben und danach auch manchmal massiv in die Postproduktion eingreifen, herrscht beim World Cinema Fund vollständige Freiheit. „Die Filme sind absolut frei“, betont Bugno, und das bedeutet auch, dass sie nicht notwendigerweise auf der Berlinale laufen müssen. Das heißt also tatsächlich, dass – wie im Falle des haitianischen „Jean Gentil“ (2010) — ein Festivaleinsatz in Venedig genauso als Erfolg verbucht wird wie eine Wettbewerbsteilnahme in Berlin? „Wir freuen uns natürlich mehr, wenn ein WCF-Film auf der Berlinale läuft, aber wenn er für einen anderen Festivaltermin fertig wird und ausgewählt wird, sehen wir auch das als Erfolg“, bekräftigt Bugno.
Eine Perle EwigkeitManchmal wissen später nur noch die Fachleute im Hintergrund, welche Bedeutung eine bestimmte Förderung durch eine Festivaldotation hatte. Für die Peruanerin Claudia Llosa (Foto oben) wirkte Unterstützung durch den WCF wie eine Initialzündung. Bei Apichatpong Weerasethakuls „Uncle Boonmee“ sicherte der WCF relativ früh 60?000 Euro zu, danach kamen noch eine ganze Reihe weiterer Geldgeber an Bord, sodass sich der Abspann inzwischen liest wie ein kleines Lexikon der Fördertöpfe — eine „Goldene Palme“ in Cannes und weltweite Aufmerksamkeit waren die Folge.
„Eine Finanzierung vom WCF ist mittlerweile wie ein Gütesiegel“, zeigt Vincenzo Bugno sich selbstbewusst. Dieses Siegel werden bei der Berlinale 2011 noch zwei weitere Filme tragen: „The Bad Intentions“ von Rosario Garcнa-Montero läuft in der Generationen-Reihe, und das Panorama wird „Medianeras“ von Gustavo Taretto zeigen. Das Kooperationsnetz des World Cinema Fund wird immer dichter, und für Vincenzo Bugno ist dies Ausweis einer Politik, die er mit einer der ältesten Festivalweisheiten der Welt definiert: „Je lokaler, desto globaler.“

Text: Bert Rebhandl

Lesen Sie hier: Goldener Bär-Gewinnerin Claudia Llosa über die Berlinale

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