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„The Descendants – Eine Familie und andere Angelegenheiten“ im Kino

The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

Es gibt selbstverständlich wichtigere Fragen als die, ob George Clooney für „The Descendants“ einen Oscar gewinnen wird. Eine wäre zum Beispiel die, auf welch dubiose Weise die Inselgruppe Hawaii von einer autonomen Republik zum 50. Bundesstaat der USA wurde. Auch die erste ist nicht bar jeden Interesses. Alexander Paynes Film wirft sie, mit unterschiedlicher Dringlichkeit, beide auf.
Fast wäre man versucht zu behaupten, er fände beide Antworten in Clooneys Darstellung. Immerhin demonstrieren Staat wie Schauspieler, dass die Schönheit hintergründig und kompliziert sein kann. Einerseits unterstellt man Clooney gern, dass das Leben im Paradies für ihn kein exotischer Ausnahmezustand wäre. Zugleich verkörpert er eine unamerikanische Nachdenklichkeit, die Bereitschaft, sich auch unbequemen Fragen an den Nationalcharakter auszusetzen. Ohne Verstellung spielt er eine jener trüben Figuren, die Payne regelmäßig zu seinen Protagonisten erwählt. Matt King, ein Anwalt von buchhalterischer, unglamouröser Ausstrahlung, sieht sich mit drei Problemen konfrontiert, die der Film geschickt verzahnt. Seine Frau liegt nach einem Unfall im Koma, aus dem sie nicht mehr erwachen wird. Unverhofft verbindlich muss er die Vaterrolle übernehmen. Von seiner überraschend loyalen, älteren Tochter erfährt er, dass seine Frau einen Liebhaber hatte. Zugleich leitet er eine Stiftung, die ein unberührtes Stück Land verwaltet, das zum Kulturerbe Hawaiis gehört, dessen Verkauf ihn und seine zahlreichen Cousins jedoch ungeheuer reich machen könnte.
Dieses doppelte Mandat, für Vergangenheit und Zukunft Verantwortung zu tragen, erfüllt er mit tragikomischer Rechtschaffenheit. Alexander Paynes Blick auf seine Figuren ist von entlarvender Großzügigkeit; selbst tumbe Charaktere dürfen bei ihm Tiefe gewinnen. Er besitzt ein präzises Gespür für die Grenzen emotionaler Ansprüche (die Begegnung Clooneys mit seinem Nebenbuhler ist ein Meisterstück der Rauminszenierung), filmt die Konflikte mit einer gelassenen Empfindsamkeit, der es nicht an Spannung gebricht. Heroisch zögerlich spielt er das Spiel Hollywoods: Gibt es einen zweiten Star wie Clooney, bei dem es uns so sehr schmerzen würde, wenn er die falsche Entscheidung träfe?

Text: Gerhard Midding

Foto: Twenthieth Century Fox

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Descendants – Eine Familie und andere Angelegenheiten“ im Kino

The Descendants – Eine Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants), USA 2011; Regie: Alexander Payne; Darsteller: George Clooney (Matt King), Shailene Woodley (Alexandra King), Beau Bridges (Cousin Hugh); 110 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 26. Januar

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