• Kino & Stream
  • Deutsche Filmemacher suchen Geldgeber über das Internet

Kino & Stream

Deutsche Filmemacher suchen Geldgeber über das Internet

Bar_25_FilmWenige Tage noch läuft die Frist, in der Claudia Rorarius auf neue Überweisungen für ihren Film hoffen kann. Dann muss der Betrag zusammen sein, den sie von Unterstützern aus dem Internet sammeln will. Die Berlinerin setzt auf „Crowdfunding“: ein in den USA beliebtes, hierzulande aber noch wenig bekanntes Modell, um Finanzierungen von künstlerischen Projekten auf unbürokratischem Weg zu stemmen. In Deutschland sind es junge Internetinitiativen wie Startnext und Inkubato, die neuerdings ein Forum bieten, um Kreative und Spendierwillige zusammenzubringen. Nach dem Prinzip des virtuellen Sammelhuts sollen sich viele kleine Beträge stattlich summieren.

In Rorarius‘ Fall weiß man sogar genau, was man unterstützt: Ihr sensibles Roadmovie „Chi l’ha visto“ um einen jungen Mann aus Berlins queerer Community, der sich auf die Suche nach dem Vater macht, wurde auf Festivals mit viel Lob und Auszeichnungen bedacht. Teilfinanziert wurde der Film von der Filmförderungsanstalt sowie der Film- und Medienstiftung NRW. Aber trotz des guten Feedbacks erhielt er keine Verleihförderung. „Es hieß: ein schöner Film, aber wir sehen keine kommerziellen Auswertungschancen“, erzählt Rorarius enttäuscht.

Auf der Suche nach Alternativen kam sie auf Crowdfunding. Positives hatte ihr die Regisseurin Nana Yuriko berichtet, deren Projekt „Bar25 – Der Film“ (Foto) über die Nachtleben-Institution an der Spree mit Zahlungen via Inkubato finanziert werden konnte. Nach der rund sechs Wochen dauernden Aktion kamen gut 25.000 Euro zusammen. Wären die Spenden daruntergeblieben, hätten die Gebewilligen ihren Betrag zurückerhalten.

Bei Inkubato hat auch Florian Eichinger seinen zweiten Kinofilm als Projekt eingestellt. „Nordstrand“ heißt der geplante Film, in dem zwei Brüder sich mit ihrer familiären Vergangenheit auseinandersetzen. Über Crowdfunding hatte der Regisseur sich im Rahmen des Hamburger Kurzfilmfests schlaugemacht. Die Werbetrommel für die Aktion rührte er nun vor allem im Freundeskreis und via Facebook.

Doch während es für „Chi l’ha visto“ gut aussieht, ist die Frist für „Nordstrand“ abgelaufen – und das Ergebnis blieb weit hinter dem Erhofften zurück. Über die Gründe denkt Eichinger nach: „Natürlich ist Crowdfunding in Deutschland noch neu, anders als in den USA. Dort herrscht allerdings auch eine andere Mentalität als hier. Es ist viel verbreiteter, sich privat zu engagieren und Dinge zu unterstützen, die man sinnvoll findet. Und eine wichtige Gruppe, die sich vielleicht gern engagieren würde, erreichst du kaum: die Generation 50 plus, die nicht so internetaffin ist.“ So haben es beim Crowdfunding offenbar jene Filme leichter, die neben einem griffigen Thema auch einen Hang zum Community-Gedanken haben. Der „Bar25“-Film scheint da ins Schwarze getroffen zu haben.

Text: Ulrike Rechel

Foto: 25Films

Mehr über Cookies erfahren