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Deutsche Komödien im Kino: „Das Hochzeitsvideo“ und „Ausgerechnet Sibirien!“

Das Hochzeitsvideo

„Das sieht hier ja aus wie bei ‚Hangover‘!“ Sagt die entgeisterte Braut, als sie kurz vor der Hochzeit das verwüstete Zimmer des Bräutigams betritt. Wenn man die Hände vors Gesicht hält und durch die Finger schielt, kann man das tatsächlich so sehen. Zumindest in dieser kurzen Szene. Sönke Wortmanns neuer Film „Das Hochzeitsvideo“ ist dann aber doch nicht die deutsche Antwort auf „Hangover“ oder „Brautalarm“. Man muss schon weiter zurückdenken: Die Komödie um ein sehr unähnliches Pärchen, das nach kleineren Hindernissen, vielen Flachwitzen und ein paar guten Pointen vor dem Traualtar steht, ist vielmehr eine Neuauflage der deutschen Beziehungskomödie der 90er-Jahre, die Sönke Wortmann maßgeblich geprägt hat. Wortmann greift auf ein bewährtes Mittel zurück, um die Handlung in Schwung zu bringen: den Zusammenprall der Kulturen. In den 90ern hat er den Culture-Clash sehr charmant, komisch und erfolgreich in Szene gesetzt. „Allein unter Frauen“ zeigte einen Macho in einer Emanzen-WG, „Der bewegte Mann“ einen Frauenhelden unter Schwulen. In seinem neuen Film treffen wieder zwei Welten aufeinander: die stockkonservative Adelsdynastie des Bräutigams und die flippige Sippe der Braut. Als sei diese schlichte Konstellation schon lustig genug, passiert dann nicht mehr viel. „Das Hochzeitsvideo“ ist weit entfernt von einem derb-komischen Zusammenkrachen, wie es das Drehbuch von Gernot Gricksch gern sein möchte.
Auch ein anderer Regisseur, der das deutsche Kino der 90er geprägt hat, kämpft mit einem lauen Drehbuch. Ralf Huettner drehte 1993 den genialischen Helge-Schneider-Western „Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“ und schuf danach die „Musterknaben“-Trilogie. Vor zwei Jahren war er mit „Vincent will meer“ im Kino. Huettner kann also Komödie. Sein neuer Film „Ausgerechnet Sibirien“ ist aber bestenfalls zum Schmunzeln. Gegen das schablonenhafte Drehbuch können weder Huettners Regiekunst noch Hauptdarsteller Joachim Krуl etwas ausrichten. Krуl spielt einen spießigen deutschen Angestellten, der in einem Modeversandhandel in Leverkusen arbeitet. Eines Tages wird er nach Sibirien geschickt, um eine Filiale zu inspizieren. Solange sich Krуl in Leverkusen bewegt, hat der Film einen gewissen Charme. Doch kaum betritt Krуl russischen Boden, wird es witzlos. Denn die Drehbuchautorin und Produzentin Minu Barati setzt ebenfalls auf platten Culture-Clash: Lebensfrohe Russen treffen auf verkniffenen Deutschen. Wodka oder Überstunden? Das ist ungefähr so komisch wie „Das Hochzeitsvideo“, also nicht sehr. Gleich drei Stars des deutschen 90er-Jahre-Kinos sind in „Ausgerechnet Sibirien“ dabei: Joachim Krуl, Katja Riemann und Armin Rohde. Ihren letzten gemeinsamen Auftritt hatten sie in Sönke Wortmanns Comic-Verfilmung „Der bewegte Mann“. Sofort fällt einem dieses Viagra-Spray für Zuchtbullen ein. Es versetzte den nackten Til Schweiger in einen Rauschzustand, den nie ein Mensch zuvor erlebt hat, und katapultierte den Film in eine höhere Dimension. Genau das fehlt dem „Hochzeitsvideo“ und „Ausgerechnet Sibirien“: Zuchtbullen-Viagra.

Text: Volker Gunske

Szenenbild aus „Das Hochzeitsvideo“: 2012 Contantin Film

Das Hochzeitsvideo, Deutschland 2012; Regie: Sönke Wortmann; Darsteller: Lisa Bitter (Pia), Marian Kindermann (Sebastian), Martin Aselmann (Daniel); 86 Minuten; FSK 12

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Das Hochzeitsvideo“ im Kino in Berlin

Kinostart: 10. Mai

Ausgerechnet Sibirien, Deutschland 2012; Regie: Ralf Huettner; Darsteller: Joachim Krуl (Matthias Bleuel), Vladimir Burlakov (Artjom), Yulya Men (Sajana); 105 Minuten; FSK 0

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Ausgerechnet Sibirien“ im Kino in Berlin

Kinostart: 10. Mai

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