Kompilationsfilm

„Deutschland. Dein Selbstporträt“ im Kino

Des Volkes Nabelschau: In „Deutschland. Dein Selbstporträt“ ­geben Menschen Einblick in ihr Leben

Der 20. Juni 2015 sollte es also sein. Ein Samstag. Genau in diesen 24 Stunden waren die Deutschen aufgerufen, mittels Videokamera, Tablet oder per Smartphone filmische Einblicke in ihren Alltag zu geben und einzureichen. Die Idee basiert auf Ridley Scotts Projekt „Life in a Day“, der hier auch als ausführender Produzent auftritt. Um das Ganze für die deutsche ­Variante etwas zu steuern, wurden den „Filmemachern“ lose Leitfragen vorgeschlagen: „Was macht dich glücklich? Wovor hast du Angst? Was bedeutet Deutschland für dich?“
Über 10.000 Einsendungen erreichten Sönke Wortmann – diesmal Künstlerischer Leiter und eben nicht Regisseur – und sein Team. Aus diesem Wust sind nun 99 Minuten destilliert worden.
Und damit wird die eine Problematik eines solchen Projektes schon klar: die Auswahl. Spiegelt der fertige Film bei der Fülle der Einsendungen letztlich nicht eher die Weltsicht Wortmanns und anderer an der Auswahl Beteiligter wieder als ein stimmiges Bild der Deutschen? Denn über die Einsendungen hinaus machte man sich auf die Suche nach spannenden Mitmenschen und ihre Geschichte.
Das Ergebnis ist kurzweilig, aber wenig repräsentativ. Wir erleben einen Vollzugsbeamten im Rollstuhl. Wir sehen eine junge Frau und ihr Bruder mit Down-Syndrom. Wir beobachten Aussteiger mit Dreadlocks, Tandem-Fallschirmsprünge, Hochzeiten, Kleinkinder. Politische Beiträge wie der Mann, der Angst vor dem Flüchtlingsstrom hat, sind rar; überhaupt wirkt die Kompilation so, als ob Extremen – rechts, links, reich, arm – explizit ausgewichen wurde.

Deutschland. Dein Selbstporträt D 2016, 99 Min., R: Sönke Wortmann, Start: 14.7.

Bewertungspunkte3

 

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