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„Devil\s Knot“ von Atom Egoyan

Devil's Knot

Es ist schon merkwürdig, wenn ein Film mit Reese Witherspoon und Colin Firth in den Hauptrollen den Weg in die deutschen Kinos nicht schafft, sondern gleich auf DVD/BlueRay ausgewertet wird. Woran das liegen könnte, erschließt sich bei „Devil’s Knot“ nicht auf den ersten Blick, ist der Film des armenisch-kanadischen Regisseurs Atom Egoyan doch ein handfester Justiz-Thriller, der den Finger tief in die Wunde von Intoleranz und Vorurteil legt.
Der Film erzählt von drei Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren, die unter der Bezeichnung The West Memphis Three in die amerikanische Justizgeschichte eingegangenen sind. 1993 wurde ihnen vorgeworfen, drei achtjährige Jungen auf bestialische Weise umgebracht zu haben. In den Fokus der Ermittlungen geraten die Jugendlichen aufgrund eines mehr als fragwürdigen Geständnisses, das später widerrufen wird. Hauptindiz für ihre Schuld: Ihr Interesse am Satanismus, die musikalische Vorliebe für Heavy Metal sowie der damit verbundene Kleidungsstil.
Trotz z.T. hanebüchener Unstimmigkeiten in den Aussagen diverser Zeugen lässt die Polizei andere Spuren vollkommen außer Acht und scheint an der Wahrheit genauso wenig interessiert, wie die vorurteilsbehafteten und tief religiösen Einwohner des Kleinstädtchens, denen bei aller Verbohrtheit nicht eine Sekunde in den Sinn kommt, dass die drei Jugendlichen unschuldig sein könnten. Einzig der trauernden Mutter eines der jungen Opfer (Reese Witherspoon) und Privat-Ermittler Ron Lax (Colin Firth) kommen massive Zweifel an der Schuld der Angeklagten.
Egoyan inszeniert die Geschichte des Prozesses in einer Mischung aus Thriller und Drama. Er zeigt die Hinterbliebenen der jungen Opfer und ihr Umgang mit der Greueltat und lässt die Zweifel an der Schuld der Angeklagten auch beim Zuschauer erst nach und nach steigen. Mit zunehmender Dauer wächst das ungute Gefühl in der Magengrube und die Ohnmacht der Angeklagten gegenüber einem von der öffentlichen Hysterie angesteckten Justizapparat wird mehr und mehr greifbar.
In Sachen deutschem Kinostart bleibt am Ende die Vermutung, dass den Verleihern hierzulande das Thema dann doch „zu amerikanisch“ erschien. Hatte der Fall in den USA in den frühen 1990er Jahren für jede Menge medialen Wirbel gesorgt, blieb das Interesse an dem Fall diesseits des Atlantik doch sehr überschaubar. Dem Film mag dies zu Gute kommen, beruhen die eher durchwachsenen Kritiken der amerikanischen Presse doch vor allem auf der fehlenden Spannung – was kein Wunder ist, wenn die West Memphis Three als leuchtendes Beispiel für einen Justizirrtum in die Geschichte eingingen und der Ausgang der Gerichtsverhandlung damit bekannt ist. Wer den Fall aus der amerikanischen Provinz nicht kennt, dem bietet „Devil’s Knot“ spannendes Kino und das ungute Gefühl, dass Justitia manchmal leider auch in Sachen Gerechtigkeit blind ist.

Text: MartinZeising

Foto: Senator Home Entertainment

Devil’s Knot, USA 2013; Regie: Atom Egoyan, Darsteller: Reese Witherspoon (Pam Hobbs), Colin Firth (Ron Lax), Alessandro Nivola (Terry Hobbs), 109 Minuten, Deutsch/Englisch, optionale UT. Erschienen bei Senator Home Entertainment

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