Drama

„Diamond Island“ im Kino

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist es her, dass vietnamesische Truppen das Terror-Regime der maoistischen „Roten Khmer“ in Kambodscha stürzten, die dann noch bis Ende 1998 einen Guerillakrieg führten

Foto: Rapid Eye Movies

Dieses Porträt einiger Jugendlicher auf der Insel Koh Pich, die über eine Brücke mit der Hauptstadt Phnom Penh verbunden ist, zeugt vom kulturellen und nationalen Identitätsverlust in einem traditionell buddhistischen Agrarland, wo eine kapitalistische Konsumgesellschaft entsteht. Die Teenager reden vor allem über Sex und Geld, Mopeds und Smartphones sind wichtige Statussymbole.

Der 18-jährige Bora verlässt sein Dorf, um sich als Bauarbeiter auf der Insel zu verdingen, wo chinesische Immobilienspekulanten Milliarden in einen luxuriösen Wohn- und Vergnügungskomplex für zahlungskräftige Leute investieren. Dort trifft Bora seinen älteren Bruder, der fünf Jahre zuvor seine Heimat verließ und vermutlich als Prostituierter arbeitet, er erzählt von einem spendablen US-Touristen, der ihn mit Dollars versorgt.

Die Entscheidung, mit Laiendarstellern zu drehen, sorgt für Authentizität, doch ihr unbeholfenes Spiel hält den Zuschauer auf Distanz zu den Figuren, ebenso die oft statischen Einstellungen. Die trostlose Grundstimmung wirkt beklemmend, die jungen Menschen sind orientierungslos auf der Suche nach Glück und einer Lebensperspektive – in einer Nation auf dem Weg in die Moderne, wo die Leiden der jüngsten Vergangenheit nachwirken und die Gräueltaten noch nicht gründlich aufgearbeitet wurden. Ralph Umard

Diamond Island F/KAM/D/KAT/THAI 2016, 99 Min., R: Davy Chou; D: Nuon Sobon, Nov Cheanick, Chhem Madeza; Start: 19.1.

Bewertungspunkte4

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