Drama

„Dibbuk – Eine Hochzeit in Polen“ im Kino

Geister der Vergangenheit: Marcin ­Wrona lotet in seinem letzten Film das Verhältnis von Polen und Juden aus

Dibbuk
Foto: Drop Out Cinema

Millionen von Juden lebten vor dem Zweiten Weltkrieg in Polen, bevor sie von den Nazis systematisch ermordet wurden. Mit ihnen verschwand eine Welt, die auch die Polen von diffuser Schuld gezeichnet zurückließ. Mitten in dieses Trauma führt Regisseur Marcin Wronas Drama. Sein nach einem jüdischen Totengeist benanntes Kammerspiel konzentriert sich auf die Hochzeit von Pyton, einem Londoner Exilpolen, und seiner Braut Zaneta, deren Vater dem Paar ein altes Familienanwesen vermacht.
Beim Baggern im Garten findet Pyton ein Grab mit menschlichen Gebeinen. Daraufhin ereignen sich mysteriöse Dinge: Er hört Geräusche, sieht schauerliche Dinge, scheint selbst in das schlammige Grab zu stürzen.
Die Hochzeit ist hier Nukleus der polnischen Seele, rauschhaft und jovial, Schuld und Erinnerung verdrängend. Jüdische Gespenster passen nicht in diesen Reigen ländlicher Folklore mit Kirche, Suff, Gesang und peinlichen Tisch­reden. Regisseur Wrona, der sich kurz nach der Fertigstellung des Films mit nur 42 Jahren das Leben nahm, zeichnet ein wenig erbau­liches Bild von der polnischen Gesellschaft und ihrem Umgang mit der Vergangenheit.

Demon (OT) POL/ISR 2015; 93 Min., R: Marcin ­Wrona; D: Itay Tiran, Agnieszka Zulewska, Andrzej Grabowski, Start: 28.7.

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