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„Dicke Mädchen“ im Kino

Dicke_Maedchen_c_MissingFilmsWie weit der dicke Sven es in seinem Leben bisher gebracht hat, sieht man zum Beispiel daran, dass er mit Mutti in einem Bett schläft. Die ältere Dame namens Edeltraut ist gelegentlich ein wenig geistesabwesend, deswegen kümmert sich tagsüber der nicht ganz so dicke Daniel um sie, während Sven zu seiner Arbeit bei einer Bank geht. Daniel ist ein heiteres Gemüt, er hat immer ein Lied auf den Lippen, nur seine Frau daheim hat kein Verständnis für sein langes Ausbleiben. Dabei hat Edeltraut ihn doch nur auf den Balkon gesperrt und dort vergessen. Was Axel Ranisch in „Dicke Mädchen“ erzählt, ist im Grunde eine mehrfache Liebesgeschichte. Die eine handelt von einer Familie von Übriggebliebenen, die sich zu wehmütigen Walzerklängen immer wieder zu spontanen Inszenierungen aufschwingen. Die andere handelt von Sven und Daniel, die herausfinden müssen, was Männerfreundschaft alles so bedeuten kann. Mehr oder weniger ohne Budget gedreht, mit viel Witz und, ja, Zartgefühl, deutet „Dicke Mädchen“ an, wie Fassbinders Filme hätten aussehen können, wäre er menschenfreundlicher gewesen.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Missing Films

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Dicke Mädchen“ im Kino in Berlin

Dicke Mädchen Deutschland 2011; Regie: Axel Ranisch; Darsteller: Ruth Bickelhaupt (Edeltraut), Heiko Pinkowski (Sven), Peter Trabner (Daniel); 79 Minuten; FSK 12; Kinostart: 15. November

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