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„Die Abenteuer von Tim und Struppi“ im Kino

Die Abenteuer von Tim und Struppi

Seit seiner Erfindung ist das Kino bestrebt, so „realistisch“ wie möglich zu wirken. Statt Stummfilm wollte man den Ton, statt Schwarzweiß die Farbe, und auch 3D wird uns unentwegt gepriesen als Replikat unserer natürlichen Seherfahrung. Mittlerweile hat der Realitätswahn auch die dafür eigentlich unwahrscheinlichste Gattung des Kinos erfasst: den Animationsfilm. 3D ist bei amerikanischen Großproduktionen bereits Standard, die Hintergründe wirken fotorealistisch, und menschliche Figuren sollen aussehen und sich bewegen wie reale Menschen. Dazu verwendet man bekanntlich das Motion-Capture-Verfahren, mit dem menschliche Gestik und Mimik auf Animationsfiguren im Computer übertragen werden können. Die einzigen Stilisierungen, die sich Steven Spielberg in „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ noch leistet, sind gerade einmal Tims charakteristischer Haarschwups und ein paar Knollennasen. Doch auch jenseits der Frage, ob Quasirealfilm mit unlimitierter Tricktechnik eine wünschenswerte Zukunft für die Animationssparte sein kann, wirft „Tim und Struppi“ künstlerische und technische Fragen auf. Einerseits feiert das „Uncanny Valley“, die seit „Avatar“ bereits überwunden geglaubte zombiehaft-tote Augenpartie menschenähnlicher Figuren, hier dramatische Urstände, andererseits hat die „Anything goes“-Tricktechnik den alten Bonbonverkäufer Spielberg dazu verführt, eine spektakuläre Actionszene bis zum Überdruss mit der nächsten toppen zu wollen. Immerhin spürt man das Bemühen um Originalität in den einzelnen Sequenzen, was Perspektiven eröffnet für die garantiert zahlreichen Fortsetzungen.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ im Kino in Berlin

Die Abenteuer von Tim und Struppi (The Adventures of Tintin – The Secret of the Unicorn), USA 2011; Regie: Steven Spielberg;
Bewegungskünstler: Jamie Bell (Tim), Andy Serkis (Captain Haddock), Daniel Craig (Sa­kharine); 107 Minuten; FSK 6

Kinostart: 27. Oktober

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