Tragikomödie

„Die andere Seite der Hoffnung“ im Kino

Der Anfang erinnert an Adolf Winkelmanns legendären Ruhrpottfilm „Jede Menge Kohle“ (1981): Ein Mann entsteigt komplett eingeschwärzt einem Berg Kohle und beginnt ein neues Leben

Foto: Sputnik Oy Malla Hukkanen

Hier nun ist es der syrische Flüchtling Khaled (Sherwan Haji), der sich auf einem Schiff als Blinder Passagier bis zum Hafen von Helsinki durchgekämpft hat. In Finnland hofft er, eine neue Heimat zu finden und beantragt Asyl.
Szenenwechsel: Wikström (Sakari Kuosmanen) hat von dem Handel mit Hemden ebenso genug wie von seiner Frau. Also lässt er beides hinter sich, verkauft seinen ­Warenbestand, gewinnt beim Pokern und übernimmt mit diesem Geld ein heruntergekommenes Restaurant ­inklusive den ziemlich schrägen Angestellten. Es dauert eine ganze Weile, bis die beiden Hauptprotagonisten im neuen Film von Aki Kaurismäki aufeinandertreffen.
Der finnische Kultregisseur bleibt sich unglaublich treu und erzählt seine Geschichte mit den von ihm gewohnten ­Zutaten: alte Autos, schlichter Rock’n’Roll, maulfaule ­Figuren, wenig illustre Interieurs, staubtrockener Humor, der viel vom Schweigen im richtigen Moment lebt. Das macht auch in der zigten Wiederholung Spaß, weil sich Kaurismäki sein Gespür für exakte Einstellungen und sein adäquat gemäßigtes Tempo bewahrt hat. Was allerdings erstaunt: Wie vollkommen problemlos Aki Kaurismäki wie schon bei „El Havre“ erneut das aktuelle Flüchtlingsthema in seinen einzigartigen kinematografischen Mikrokosmos zu integrieren weiß. Was der Berlinale-Jury den Regie­bären wert war.

Toivon Tuolla Puolen (OT) FIN 2017, 98 Min., R: Aki Kaurismäki, D: Sakari Kuosmanen, Sherwan Haji, Ilkka Koivula, Janne Hyytiäinen, Kinostart: 30.3.

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