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Berlinale 2017

„Die andere Seite der Hoffnung“ im Wettbewerb der Berlinale

Der Anfang erinnert an Adolf Winkelmanns legendären Ruhrpottfilm „Jede Menge Kohle“ (1981): Ein Mann entsteigt komplett eingeschwärzt aus einem Berg Kohle und beginnt ein neues Leben. Hier nun ist es der syrische Flüchtling Khaled (Sherwan Haji), der sich auf einem Schiff als Blinder Passagier bis zum Hafen von Helsinki durchgekämpft hat. Hier in Finnland hofft er, eine neue Heimat zu finden und beantragt Asyl.

Malla Hukkanen © Sputnik Oy

Szenenwechsel: Wikström (Sakari Kuosmanen) hat von dem Handel mit Hemden ebenso genug wie von seiner Frau. Also lässt er beides hinter sich, verkauft seinen Warenbestand, gewinnt beim Pokern und übernimmt mit diesem Geld ein heruntergekommenes Restaurant inklusive den ziemlich schrägen Bediensteten. Es dauert eine ganze Weile, bis die beiden Hauptprotagonisten im neuen Film von Aki Kaurismäki aufeinandertreffen.

Der finnische Kultregisseur bleibt sich unglaublich treu und erzählt seine Geschichte mit den von ihm gewohnten Zutaten: alte Autos, schlichter Rock’n’Roll, maulfaule Figuren, wenig illustre Interieurs, staubtrockener Humor, der viel vom Schweigen im richtigen Moment lebt. Das macht auch in der zigten Wiederholung Spaß, weil sich Kaurismäki sein Gespür für exakte Einstellungen und gemäßigtes Tempo bewahrt hat. Was allerdings erstaunt: Wie vollkommen problemlos Aki Kaurismäki eine hoch aktuelle und hoch politische Thematik wie die Flüchtlingsproblematik in seinen einzigartigen kinematografischen Mikrokosmos zu integrieren weiß. Martin Schwarz

Toivon Tuolla Puolen (OT) FIN 2017, 98 Min., R: Aki Kaurismäki, D: Sakari Kuosmanen, Sherwan Haji, Ilkka Koivula, Janne Hyytiäinen

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