Dokumentarfilm

„Die andere Seite von allem“ im Kino

Eine sorgfältig montierte, von Archivmaterial durchsetzte Erzählung über die komplizierte Geschichte Jugoslawiens

JIP Filmverleih

Wird Srbijanka Turajlić in dem vielfach ausgezeichneten und fein geschichteten Dokumentarfilm „Die andere Seite von allem“ ihrer Tochter Mila Turajlić zunächst als eine Frau vorgestellt, die in einer weitläufigen bürgerlichen Wohnung das Silbergeschirr poliert, offenbart sich ihre Rolle in Serbien erst nach und nach.

Turajlićs Dasein ist mit den politischen Bewegungen des Landes eng verknüpft. Das gilt auch für ihre Wohnung, die in jenem Belgrader Haus liegt, welches ihr Großvater einst hatte errichten lassen. Turajlićs Großvater war einer der Gründerväter Jugoslawiens im Jahr 1918, das damals noch ein Königreich war. Als es 1945 zur Volksrepublik wurde, schlug sich das auch auf die Nutzung der Wohnung nieder: Zwei Zimmer wurden abgetrennt, und eine Arbeiterin zog ein. Ein absurder Umstand, an den sich alle Betroffenen gewöhnten.

Doch die eigentliche Spaltung wird erst nach dem Ende Jugoslawiens deutlich, als große Teile der Bevölkerung dem umstrittenen Politiker Slobodan Milošević verfallen. Turajlić, Mathematikprofessorin und intellektuelle Stimme, zieht mit Worten und Studenten in den Kampf: für ein demokratisches Serbien. Doch als die Tür zu den Zimmern endlich wieder geöffnet werden kann, hat sich längst einer neuer Feind formiert: die Nationalisten. In dieser sorgfältig montierten, von Archivmaterial durchsetzten Erzählung sind sie das vorerst letzte Kapitel.

Die andere Seite von allem SER/F/QAT 2017, 103 Min., R: Mila Turajlić, Start: 15.11.

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