Dokumentarfilm

„Die Augen des Weges“ im Kino

„Das Wasser ist wie ein Kind“, sagt Hipólito Peralta Ccama, ein Grundschullehrer in Peru. Er kennt sich aus mit den Elementen in den Anden, und beim Wasser ist es eben so, dass es nicht lange nachdenkt, sondern dass es einfach läuft, wo immer es sich bahnbricht. Auf diese Weise belebt es die Natur.

Arsenal Filmverleih

Das Wasser fließt auch von oben nach unten, und oben, das bedeutet in Lateinamerika zuerst: die Berge der Anden, schneebedeckte Riesen, aus denen die Fruchtbarkeit in den Tälern stammt. In dem Film „Die Augen des Weges“ ist Hipólito derjenige, der einem Publikum in fernen Gegenden diese Welt nahebringt: mit seinen Erzählungen, mit seinen Reflexionen. Dazu sind überwiegend spektakuläre Landschaftsaufnahmen aus Peru oder Bolivien zu sehen. Hipólito ist ein Vertreter der einheimischen Naturreligion, er glaubt an die Apus (die Berggötter), er sieht aber kein Problem darin, dass Menschen auch an Jesus glauben.

Allerdings sehen die Jesus-Gläubigen häufig ein Problem in der Naturmystik, von der „Die Augen des Weges“ geprägt ist: die „Verachtung der Evangelikalen“ für lokale Rituale wie das Vigawantuy (Baumstammtragen) zeigt, dass es auch in Lateinamerika ein Problem mit Fundamentalismus gibt. Der Film von Rodrigo Otero Heraud hat weitgehend den Charakter einer Predigt in einer Sprache (Quechua), deren Wissen hier bewahrt werden soll. Wer sich dafür interessiert, wie man dreierlei Nebel unterscheiden kann, und wie man in dünner Luft demütige Gefühle bekommt, ist hier richtig. BR

Die Augen des Weges Peru 2016, 88 Min., R: Rodrigo Otero Heraud, Start: 10.5.

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