Kino & Stream

Die dokfilmwoche 2015 im Berlin

dokfilmwoche

Wenn man nach einem Symbolbild für die unmittelbare Gegenwart suchen würde, dann wäre das Schiff aus dem Film „Flotel Europa“ keine schlechte Wahl. Eine Flüchtlingsunterkunft in Kopenhagen, in der in den 90er-Jahren Menschen untergebracht wurden, die aus Jugoslawien vor dem Krieg geflohen waren. Videomaterial von damals bildet die Grundlage für Vladimir Tomics Film, der schon auf der Berlinale auf großes Interesse stieß, und den man bei der Kreuzberger „dokfilmwoche“ nun noch einmal im Kino sehen kann, bevor er in die Video-on-Demand- und andere Auswertungen weiterwandert.
Zum dritten Mal unternimmt das fsk-Kino (in Zusammenarbeit mit dem Sputnik) das Wagnis, eine Woche lang eine Auswahl relevanter dokumentarischer ?Arbeiten aus der jüngeren Zeit zu zeigen. Die „dokfilmwoche“ kann als Reaktion auf den Umstand gesehen werden, dass es ?einen regelrechten Boom an guten Filmen in diesem Bereich gibt, was keineswegs über die Schwierigkeiten hinwegsehen lassen soll, die sich den Filmemachern konkret stellen.
Politische Prozesse sind tendenziell zu abstrakt (und auch zu abgeschottet), als dass man sich davon ein Bild machen könnte. Filme wie „Macht ohne Kontrolle“ oder „Rules of the Game“ versuchen es trotzdem.
Andere Filmemacher setzen eher subjektiv an, wie Ruth Beckermann aus Wien, die mit „Those Who Go and Those Who Stay“ einen großartig fragmentierten Versuch über ein Leben dazwischen gewagt hat: zwischen den Identitäten, zwischen den Ländern (Österreich, Israel), zwischen den Zeiten. In den besten Momenten deuten Dokumentarfilme an, dass die Verhältnisse nicht nur abbildbar, sondern veränderbar sind.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Vladimir Tomic

dokfilmwoche, 27.8. bis 2.9., fsk und Sputnik

www.dokfilmwoche.peripherfilm.de

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