Kino & Stream

Die Doku „Am Pier von Apolonovka“ im Kino

Ein schöner Strand sieht anders aus: In der Bucht von Sewas­topol, der größten Stadt der ukrainischen Krim-Halbinsel, die noch immer den Hafen für die russische Schwarzmeerflotte abgibt, muss eine bröckelige Mole als Start ins Badevergnügen reichen. Jugendliche, eigentlich fast noch Kinder, springen dort unter Verrenkungen ins verschmutzte Wasser, schwim­men und tauchen der ablegenden Fähre hinterher. Ungerührt erzählen sie von dabei auftretenden Unglücken und Todesfällen sowie von ihren Drogenexzessen und sind dabei doch nur normale Jugendliche, die sich für Mopeds begeistern oder der Sommerliebe des letzten Jahres hinterhertrauern. In diesem Punkt trifft sich die 13-jährige Nastja mit der 80-jährigen Galina, die noch jeden Morgen in der Bucht schwimmt und im Andenken an eine schmucke Jugendliebe ein paar Tränen verdrückt. Die Generation dazwischen geht arbeiten: Als Taucher holen die Männer – illegal – Buntmetall aus der mit Schrott, Minen und Bomben zugemüllten Bucht. Regisseur Andrei Schwartz wirft in seiner lebendigen Dokumentation „Am Pier von Apolonovka“ einen Blick auf sonnige Ferientage und erzählt dabei ebenso von dem fast nihilistischen Übermut der Jugend wie von der gelegentlichen Wehmut des Alters, von Pragmatismus und von harten Lebensumständen. Dabei zeigt er immer wieder, wie die Menschen auf ihn und seine Kamera reagieren, und macht spannende kleine Inszenierungen im Rahmen des Dokumentarischen sichtbar.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Am Pier von Apolonovka, Deutschland 2008; Regie: Andrei Schwartz; Farbe, 85 Minuten

Kinostart: 25. September

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