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Die Dokumentation „Die Konkurrenten“ im Kino

1999: Das einstmals weltberühmte Tschaikowski-Konservatorium bröckelt am Rande Moskaus vor sich hin, die Räume sind ungeheizt, die Wasserleitung leckt. Dass überhaupt noch unterrichtet wird, ist nur dem Enthusiasmus einiger (unbezahlter) Lehrkräfte zu danken. Den potentiellen Meisterpianisten von Morgen sind die Provisorien ihrer Ausbildung nicht anzumerken, ihre kleinen Hände jagen rastlos über die Tasten. Zehn Jahre später sucht Irene Langemann noch einmal einige ihrer einstigen Helden auf. Russland hat sich scheinbar konsolidiert. Aus den drolligen Anfängern von damals sind ernste Musiker geworden, eine Kindheit hatten sie nicht. Sie stehen an der Schwelle zum globalen Markt oder sind schon darin eingetaucht. Auf weltweiten Festivals und Wettbewerben geht der Kampf um lukrative Verträge nun erst richtig los.
Der Film lebt von den gedanklichen Fallhöhen, die der Vergleich von Damals und Heute bringt und stellt vorsichtige Fragen nach dem Sinn der jahre­langen, knochenharten Ausbildung. Der Partner einer der Pianistinnen bringt es auf den Punkt: „In Wahrheit ist es ein blutiger Sport“.

Text: Claus Löser

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Die Konkurrenten“ im Kino in Berlin

Die Konkurrenten – Russlands Wunderkinder, Deutschland/Estland 2010; Regie: Irene Langemann; Farbe, 98 Minuten

Kinostart: 29. April

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