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Die Dokumentation „Hotel Sahara“ im Kino

Sie wollen Fußballstars werden, europäisch heiraten, einkaufen, zur Universität gehen oder einfach die Welt anschauen. Für die Protagonisten in „Hotel Sahara“ sind solche hierzulande realisierbaren Träume bloße Utopie. Die Berliner Dokumentaristin Bettina Haasen ist an die mauretanische Atlantik- küste in die staubtrockene Hafenstadt Nouadhibou gereist, wo Tausende von Migranten auf die Schlepper warten, die sie zu den Kanarischen Inseln bringen sollen.
In atmosphärischen Bildern, Landschaftsstimmungen, Stadterkundungen und Close-up-Porträts gelingt es der ehemaligen Entwicklungshelferin und Afrikakennerin, dem fatalen Schwebezustand einiger junger Afrikaner näher zu kommen. Der Blick auf
die andere Seite des Menschenhandels, 1000 Kilometer jenseits der kanarischen Ferieninseln, entgeht den gängigen Klischees zu diesem Thema und macht eine Aufbruchsstimmung deutlich, die weder das zermürbende Warten noch die Lebensgefahr brechen können. Indirekt und behutsam führt „Hotel Sahara“ in das Leben in einem System ein, das über Individuen hinweg mit viel Geld und Macht operiert – und zwar auf Seiten der Schlepper wie der bes­tens ausgestatteten europäischen Polizei.

Text: Claudia Lenssen

tip-Bewertung: Sehenswert

Kino und Orte: „Hotel Sahara“ im Kino in Berlin

Hotel Sahara, Deutschland 2008; Regie: Bettina Haasen; Farbe, 86 Minuten

Kinostart: 6. August

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