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Die Dokumentation „Keep Surfing“

Surfen macht glücklich. In den Gesichtern der Wellenreiter ist dieses Glück, das der schwerelose Ritt auf dem Wasser bereitet, deutlich zu sehen. Nur kommt man leider recht selten nah genug heran an die Gesichter der Surfenden, um einen Blick auf ihre vollkommene Zufriedenheit zu erhaschen. In Björn Richie Lobs mitreißendem Dokumentarfilm „Keep Surfing“ aber kann man es sehen, das Glück der Surfer, weil die Welle, auf der sie tanzen, nicht weit draußen im Meer, sondern mitten in München, am Rande des Englischen Gartens, im Eisbach steht. Der Eisbach ist ein kleines reißendes Gewässer, auf dem fesche Münchner Burschen der Legende nach vor über 30 Jahren das Fluss-Surfen erfanden. In fünf Jahren Produktionszeit wiederum spürte Lob, selbst Surfer, der Geschichte und dem Faszinosum der Eisbach-Welle nach und förderte dabei sehr viel mehr zu Tage als die Porträts von Individualisten – Surfern der ersten Stunde -, die an ihren ungewöhnlichen Lebensentwürfen festhalten. Vor allem gelingt es Lob, mit „Keep Surfing“ Eindrücke von Kraft und Gefühl einer Stadt zu vermitteln, die vom Rest der Republik eher als satter und teurer Schickeria-Standort wahrgenommen wird. Doch die heimliche, die eigentliche Seele Münchens ist anarchisch, hedonistisch, freiheitsliebend, selbstbewusst und schön. Und dass die Surfer dieser Stadt auf dem Eisbach ihr Glück finden, ist nur folgerichtig.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Herausragend 

Keep Surfing, Deutschland 2009; Regie: Björn Richie Lob; 92 Minuten + 15 Bonusmaterial, Audiokommentar; erschienen bei Prokino

Erscheint am Donnerstag, den 30. September 2010.

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