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Die Dokumentation „Lost Town“ im Kino

Die versunkenen Kirchen von Dunwich, nachgebildet in Edelstahlstelen, von weit draußen auf dem Meer schimmernd die Erosion verdeutlichend, die jedes Jahr ein Stück englischer Ostküste wegträgt: Das war die Idee, mit der die beiden Münchner Architekten Anne Niemann und Johannes Ingrisch im Frühjahr 2004 einen von der EEDA (East of England Development Agency) ausgeschriebenen Wettbewerb gewannen.
Doch noch bevor Kosten berechnet und Pläne erstellt werden, enttarnt sich das Beharrungsvermögen der Einwohner als Haupthindernis. Ihren Frieden und ihre schöne Aussicht wollen die ortsansässigen Ruheständler nicht von einer neumodischen Touristenattraktion gefährdet sehen. Jörg Adolphs Langzeitdokumentation verfolgt die Veränderungen, die das Projekt und seine Urheber in den kommenden Jahren erfuhren. Am Ende immer neuer, vergeblicher Versuche der Realisierung weiß man immerhin, warum auch eine Idee Wirklichkeit für sich beanspruchen kann. Ebenso wie manche die Glocken der versunkenen Kirchen zu hören vermeinen, sehen andere sie weit draußen bereits glitzern, die Stahlrohre vor Suffolks Küste.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Lost Town“ im Kino in Berlin

Lost Town, Deutschland 2009; Regie: Jörg Adolph; Farbe, 90 Minuten

Kinostart: 22. April

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