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„Die Eiserne Lady“ mit Meryl Streep

Die_eiserne_LadyMeryl Streep ist zum Niederknien gut. Mal wieder, auch in ihrem 43. Kinofilm, in dem sie die britische Premierministerin Margaret Thatcher spielt. Sie hat auch schon die dänische Schriftstellerin Karen Blixen oder die amerikanische Vogue-Chefin Anna Wintour gespielt. Was heißt gespielt? Sie war Blixen in „Jenseits von Afrika“ und Wintour in „Der Teufel trägt Prada“. Selbst in schlecht geschriebenen Nebenrollen ist Streep großartig. Diesmal ist sie großartig in einer schlecht geschriebenen Hauptrolle in einem schlecht inszenierten Film.

Während ihrer Regierungszeit in den 1980er-Jahren war Margaret Thatcher die bestgehasste und meistverehrte Frau auf der britischen Insel. Ihre kompromisslose Politik spaltete ihre Tory-Partei, das Parlament und das Land. Thatcher ist eine radikale Figur. „Die Eiserne Lady“ von Phyllida Lloyd will davon nur am Rande etwas wissen. Lloyd vermeidet jede Haltung zu Thatcher, ihr liegt die menschliche Seite am Herzen. Darum sehen wir die Eiserne Lady die meiste Zeit als tapfere Demenzkranke, die vor allem zwei Dinge macht: Mal unterhält sie sich mit dem Geist ihres verstorbenen Ehemanns Denis (Jim Broadbent), mal erinnert sie sich an die Vergangenheit. So blicken wir mit den milden Augen einer alten Frau melancholisch auf das Leben von Margaret Thatcher. Da wird sogar der Falklandkrieg zu einem sentimentalen Erinnerungsstück.


Daneben präsentiert Phyllida Lloyd viele weitere Thatcher-Highlights: die Übernahme des Parteivorsitzes, den IRA-Anschlag auf den Tory-Parteitag, die Schlacht gegen die Bergarbeiter. „Die Eiserne Lady“ wirkt wie eine Fortsetzung von Lloyds Abba-Hommage „Mamma Mia!“. Beides sind lose Best-of-Sammlungen. Allein durch Meryl Streep wird diese denkfaule Thatcher-Revue zusammengehalten. Das wird besonders deutlich, wenn die Handlung in die 40er-, 50er-Jahre springt und Alexandra Roach die Margaret-Rolle übernimmt. Kaum ist Streep weg, fällt der Film wie ein Soufflй in sich zusammen.   

Text: Volker Gunske
Foto: Concorde Filmverleih
tip-Bewertung: Zwiespältig

The Iron Lady im Kino in Berlin
Großbritannien 2011; Regie: Phyllida Lloyd; Darsteller: Meryl Streep (Margaret Thatcher), Jim Broadbent (Denis Thatcher), Alexandra Roach (Margaret Thatcher, jung);
105 Minuten;
FSK k.A.; Kinostart: 1. März

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