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„Die Eleganz der Madame Michel“ im Kino

Wenn die elfjährige Paloma durch den Sucher ihrer Video­kamera blickt, erkennt sie in vollem Ausmaß die Unausweichlichkeit ihres Schicksals. Jüngster Spross einer bourgeoisen Pariser Familie mit typisch dysfunktionaler Struktur sieht sie sich in Holden Caulfield‘scher Abgeklärtheit in ein Gefängnis hineingeboren, dem man nur durch Selbstmord entrinnen kann.
Indem die junge französische Regisseurin Mona Achache den fiktionalen Plot ihrer gelungenen Verfilmung des Bestsellers „Die Eleganz eines Igels“ von Muriel Barbery durch körnige Videobilder kontrapunktiert und entzaubert, spielt sie mit dem Kino als vermeintlich unverfälschtem Blick auf die Wirklichkeit. Mit Paloma entdecken auch wir den Lebensentwurf der Concierge Madame Michel, die eine rege Geistestätigkeit hinter einem abweisenden Gestus versteckt, als Möglichkeit und Ausweg, sich  Freiräume zu schaffen. Im Beobachten eines solchen Rollenspiels offenbaren sich weitere Außenseiterseelen wie der neue Mieter Herr Ozu, eine Figur, die in ihrer Konstruiertheit die Balance der beiden Frauenfiguren zwischen Leben oder Aufgeben ein wenig stört. 

Text: Valerie Bäuerlein

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Eleganz der Madame Michel“ im Kino in Berlin

Die Eleganz der Madame Michel (Le hйrisson), Frankreich/Italien 2009; Regie: Mona Achache; Darsteller: Josiane Balasko (Renйe Michel), Garance le Guillermic (Paloma Josse), Togo Igawa (Kakuro Ozu); Farbe, 99 Minuten

Kinostart: 6. Mai

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