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„Die Endstation der Sehnsüchte“ im Sputnik-Kino

Weiß gestrichen, kompakt, mit spitzem Ziegeldach und Gartenzaun – so sehen deutsche Einfamilienhäuser aus. Nur die Aussicht ist hier etwas besser: die Bewohner dieser schmucken Exemplare blicken in die liebliche Pa­zifikbucht der südkoreanischen Halbinsel Namhae. Dogil Maeul, „das deutsche Dorf“, heißt die rund 30 Häuser umfassende Siedlung – sie wurde eigens für jene Koreanerinnen gebaut, die in den 60er Jahren in Deutschland arbeiteten, um ihre Familien zu Hause ernähren zu können. Rund 10.000 Krankenschwestern und 8000 Bergarbeiter waren es damals – wie viele sind zurückgekehrt?
Regisseurin Sung-Hyung Cho („Full Metal Village“) hat drei Koreanerinnen herausgepickt, die als Rentnerinnen ihr Heimweh nicht länger zügeln konnten. Zusammen mit ihren deutschen Ehemännern zogen sie für ihren Lebensabend nach Dogil Maeul und erleben komische und nachdenklich stimmende Episoden, die alltäglich sind beim Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen. Denn ihre Siedlung ist ein Touristenmagnet. Scharenweise zücken Neugierige ihre Fotoapparate, latschen durch die Gärten oder stibitzen Gartenzwerge. Doch das Staunen findet auch umgekehrt statt: Mögen sich die rüstigen Rentner Willi, Armin und Ludwig noch so geduldig in ihre neue Umgebung fügen, als Anhänger der deutschen Wertarbeit registrieren sie penibel, wo es in der neuen Umgebung hakt. Sie schwärmen von der Perfektion der Silikonfuge, bemängeln fehlende Notfallknöpfe und produzieren Brötchen und die geliebte Wurst selbst.
Jede Menge Situationskomik hat Sung-Hyung Cho in geduldigem Zuhören und Beobachten festgehalten, allerdings ohne die Beteiligten vorzuführen. Auch ihre Mutter hatte sich einst nach Deutschland aufgemacht, und so weiß Sung-Hyung Cho genau, wie und wo sie treffende Situationen findet: in buddhistischen Tempeln, in der Schwitzhütte oder im Wohnzimmer, wo die Paare bei Besuchen statt auf der bequemen Couch auf dem Fußboden die Beine kreuzen. Sung-Hyung Cho genießt das Vertrauen der Porträtierten; in den Familiengeschichten der koreanischen Frauen findet sie dann auch ernste Noten für ihr an sich höchst vergnügliches Nachdenken über Heimweh und Identität.

Text: Cristina Moles Kaupp

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Endstation der Sehnsüchte“ im Kino in Berlin

Endstation der Sehnsüchte, Deutschland 2009; Regie: Sung-Hyung Cho; Farbe, 99 Minuten

Kinostart: 29. Oktober

Aufführung in Anwesenheit der Regisseurin Sung-Hyung Cho, Sputnik (Höfe am Südstern), Di 24.11.09, 20 Uhr 

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