Drama

„Die Erbinnen“ im Kino

Die Lebhafte und die Stille

Grandfilm

Chela (Ana Brun) und Chiquita (Margarita Irún) sind ein ungleiches Paar. Sie leben in Asunción, der Hauptstadt Paraguays, in einem alten Haus mit viel Atmosphäre. Chiqua ist lebhaft, sie raucht und trinkt und lässt keinen Geburtstag der vielen Freundinnen aus. ­Chela hingegen ist melancholisch, sie geht ungern aus dem Haus, und wenn sie malt, dann eher in intimen Formaten, bei kleinem Licht.
Das prekäre Gleichgewicht der beiden alternden Damen geht verloren, als Chiqua ins ­Gefängnis muss. Sie hat große Schulden, schon seit längerer Zeit kommen immer ­wieder Leute ins Haus, um Teile des Tafel­silbers zu kaufen. Die erzwungene Trennung bedeutet für Chela, dass sie unvermutet mehr Verantwortung für das eigene Leben übernehmen muss. Sie nimmt sogar einmal das Auto, einen alten Mercedes, und als man sie aufgrund eines Missverständnisses für eine Chauffeurin hält, steigt sie darauf ein: denn die Frau, die sich fahren lässt, ist sehr ­attraktiv und weiß viel zu erzählen.
Worin das Erbe genau besteht, von dem ­Marcelo Martinessi in seinem Film „Die Erbinnen“ erzählt, das kann man sich in etwa denken. Die beiden Frauen kommen offensichtlich aus einer alten Bourgeoisie, von der nur noch Runden tratschender Kartenspielerinnen ­übrig sind. Und während eine alte Lebensform allmählich brüchig wird (und Chiqua sich im Gefängnis überraschend gut zurechtfindet), tastet Chela sich an neue Gefühle heran. Ein subtiler, schöner Frauenfilm.

Die Erbinnen PAR/URU/D/BRA/N/F 2018, 95 Min., R: Marcelo Martinessi, D: Ana Brun, Margarita Irún, Ana Ivanova, Nilda Gonzalez, Start: 29.11.

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