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„Die Fee“ im Kino

Die Fee

„In ‚Die Fee‘ hatten wir die Idee, alle möglichen Figuren zeigen, die am Rande der Gesellschaft existieren, die nicht hineinpassen, nicht funktionieren im Sinn dieser Gesellschaft“, erklärt Dominique Abel. „Sie sind zu klein, zu langsam, nicht effizient genug, selbst die beiden Polizisten.“ Mit der französischen Hafenstadt Le Havre haben sie dafür einen passenden Schauplatz gefunden, wobei hier nicht ein pittoreskes Viertel im Mittelpunkt steht, in dem die Solidarität der Einwohner noch intakt ist, wie in Aki Kaurismäkis „Le Havre“, sondern eher abweisende Industriebauten. Wie „Le Havre“ hatte auch „Die Fee“ beim Festival von Cannes im Mai vergangenen Jahres seine Weltpremiere, mit Kaurismäki teilen die beiden eine Wahlverwandtschaft des lakonischen Humors, einen, bei dem Komik und Verzweiflung nah beieinander liegen, die Komik oft aus der Verzweiflung erwächst.
Wortkarg sind die Filme des Duos, auch wenn „Die Fee“ kein Stummfilm ist – aber die Worte sind weniger wichtig als die Körper und deren Ausdrucksmöglichkeiten. „Da wir vom Theater kommen,“ so Dominique Abel, „halten wir immer Ausschau nach Ideen, die ein physisches Potenzial haben.“ Das ist zugleich eine Liebeserklärung an das Kino vergangener Zeiten, der Stummfilmära, aber auch an Komiker wie Jacques Tati und Pierre Йtaix oder, um einen Zeitgenossen zu nennen, Bent Hamer. „Unsere Cousins“ nennen die beiden diese liebevoll. Fiona Gordon fügt hinzu: „Aber ich liebe auch manche Filme von David Lynch und Pedro Almodуvar – Filmemacher, die die sogenannten Regeln des Filmemachens ignorieren.“
„Die Fee“ endet mit einer Verfolgungsjagd, die erkennbar als Rückprojektion entstanden ist, auch dies ein Verweis auf die Geschichte des Kinos. „Wir lieben Rückprojektionen“, so Dominique Abel, „nicht weil sie ein Fake sind. Vieles in unserer Arbeit ist ein Fake, und das Pubikum weiß es. Und wir wissen, dass das Publikum es weiß, das ist Teil unseres Humors. Wir versuchen nicht, uns darüber lustig zu machen, vielmehr bemühen wir uns, es so perfekt zu machen wie möglich.“ Dass in „Die Fee“ allerdings auch afrikanische Flüchtlinge vorkommen, die von Le Havre aus nach England aufbrechen wollen, zeigt, dass diese Filmemacher daneben auch einen scharfen Blick für die Realitäten der Gegenwart besitzen.

Text: Frank Arnold

Foto: Laurent Thurin Nal / Pandastorm Pictures

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Fee“ im Kino in Berlin

Die Fee (La fйe), Frankreich/Belgien 2011; Regie: Dominique Abel, Fiona Gordon, Bruno Romy; Darsteller: Dominique Abel (Dom), Fiona Gordon (Fiona, die Fee), Philippe Martz (John); 94 Minuten; FSK 0

Kinostart: 6. September

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