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Die Filmkritik zu „Blutsfreundschaft“ mit Helmut Berger

„Bist du alt geworden“, sagt Helmut Berger vor dem Spiegel leise, fast sachlich zu sich selbst. Vor vier Jahrzehnten schien dieser Schauspieler noch die Idealbesetzung ewiger Jugend und Schönheit zu sein. Für Luchino Visconti gab Berger einst den Bayernkönig Ludwig und in dem exzessiven Melodram „Die Verdammten“ 1969 auch einen jungen Nationalsozialisten, der seine Familie mit einer Crossdresser-Performance im Marlene-Dietrich-Stil zu schockieren beliebte. Die Zeiten sind vorbei. Nun begegnet man Helmut Berger im Kino erneut – einem überraschend bescheidenen Schauspieler, der sich als alternder Wäschereibesitzer in einen jungen Neonazi (Harry Lampl) verliebt und ins Visier der gewalt­bereiten Wiener Rechtsextremen gerät. Österreichs blühender Rechts­populismus bleibt ein Lieblingsthema des Filmemachers Peter Kern; mit der Austro-Trash-Satire „Haider lebt“ sorgte er schon 2002 für produktive Irritationen. Die Rolle, die Berger in „Blutsfreundschaft“ spielt, ist alles andere als ein Starauftritt: Sein sanftes, unsicheres Spiel versinnbildlicht jenes fragile Projekt, das „Blutsfreund­schaft“ darstellt: eine Grat­wande­rung zwischen Underground und Übermut. Als „absoluten Realisten“ bezeichnet Kern sich selbst: Die Neonaziszene stelle er nicht überhöht, sondern „noch untertrieben“ dar, meint er. Die Skinheads ziehen prügelnd durch die Stadt, die Geschichte wiederholt sich. „Blutsfreundschaft“ ist ein Spiel mit der politischen Wirklichkeit, eine ins Opern- und Rauschhafte dramatisierte Erzählung von Homoerotik und Faschismus. Kern ist ein Amateur, ein Liebender, der auch aus bloß bemühten Darstellern und trivialen Plot­konstruktionen ein seltsam berührendes Melodramgespinst zu destillieren vermag.

Text: Stefan Grissemann

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Helmut Berger

Blutsfreundschaft (Panorama)
14.2., 20.15, CineStar 3
15.2., 20.15, Cubix 7+8
18.2., 22.30, Cubix 7+8

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