Kino & Stream

Die französische Filmwoche 2013 in Berlin

Violette

Es gibt weniger zu lachen in diesem Jahr. Das ist schon einmal eine gute Nachricht. Im Programm der diesjährigen Französischen Filmwoche muss man lange suchen nach Beispielen jener formelhaften Komödien, die unsere Kinos in den letzten zwei Jahren heimsuchten. Natürlich hat auch der leichtfüßige Mainstream seinen Platz – aber der ist bei Cйdric Klapisch („Beziehungsweise New York“) ja stets einfallsreicher und hintergründiger als anderswo.
Der Großteil der Filme ist nach ihren Hauptfiguren benannt, wobei die Frauen gegenüber den Männern mit sechs zu zweieinhalb klar in Führung liegen. Titel wie „Suzanne“ verheißen ein charakter-getriebenes Kino, das sich besinnt auf die französischen Tugenden der Figurennähe und Milieusicherheit. Martin Provost gelingt dies auf dem Terrain des Kostümfilms mit „Violette“ (Szenenbild), seinem glänzend besetzten Porträt der verfemten Schriftstellerin Violette Leduc. Guillaume Gallienes „Maman und ich“ wiederum folgt einem autobiografischen Erzählimpuls. Die Verfilmung seiner erfolgreichen One-Man-Show „Les Garçons et Guillaume, а table!“ handelt von seiner robust-wehmütigen, bisweilen burlesken Suche nach der eigenen Geschlechtsidentität. Der Kampf um soziale und erotische Selbstbestimmung ist ein Leitmotiv der Filmreihe, für die Catherine Deneuve, der das Arsenal eine flankierende Hommage widmet, eine prächtige Schutzpatronin ist.
Wiederum ist das Programm weitgehend (im Gegensatz zum Vorjahr aber nicht mehr ausschließlich) eine Plattform für Vorpremieren. Unter den Filmen, die bislang keinen deutschen Verleih haben, sticht „La Dйsintйgration“ von Philippe Faucon hervor, einem Filmemacher mit unbeirrt politischer Agenda, der seiner Kinoentdeckung noch harrt. Von berauschender Originalität ist „Jasmine“ von Alain Ughetto: Der Regisseur rekonstruiert seine Liebesgeschichte mit einer iranischen Studentin, deren Spur er nach der Revolution 1979 verlor, als Animationsfilm. Teheran hat er mit Styropor und Pappe nachgebaut und mit blauen Knetfiguren bevölkert (sein Alter Ego ist der einzige helle Fremdkörper darin); eindringlich wird der Film auch durch Super-8-Material, das die Liebenden damals drehten, sowie durch Zitate aus ihren Briefen. Sieben Jahre hat Ughetto daran gearbeitet. Keines davon war vergeudet.

Text: Gerhard Midding

Foto: Kool Film

Französische Filmwoche, ?Do 5.12. bis Mi 11.12., Kino International, Cinйma Paris, Filmtheater am Friedrichshain, Rollberg, Institut Français, Kino Arsenal

Wir verlosen 5?x?2 Freikarten für den Film „Madame empfiehlt sich“ ?(„Elle s’en va“) am Sa 7.12., 18 Uhr im Cinйma Paris.
E-Mail bis 6.12. an [email protected]
Kennwort: Französische Filmwoche

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